14. März 2016

Leonard Kahlcke – Get in where you fit in

by G. B.

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Zum anstrengenden Teil des Bekleidungsthemas gehört das dumpfe Gefühl, dass zwischen Scheitel und Sohle irgendwie alles schon mal da war und selbst das Dagewesene von faden Gentleman-Darstellern im Rahmen ihrer gefühlten Deutungshoheit nur wiedergekaut wird. Aber weit gefehlt: Mit Leonard Kahlcke betritt ein Schuhdesigner und Leistenentwickler die Bühne, der sich anschickt in diesem bodenständigen Segment der Herrenbekleidung für frischen Wind zwischen den Zehen zu sorgen.

Photo Wolfgang Leihener

Photo Wolfgang Leihener

Aber von Anfang an. Der Frankfurter Leonard Kahlcke hat Kunst und Design an der HfG in Offenbach studiert und intensive Menschenkenntnis und Managementerfahrungen bei der Leitung eines Frankfurter Untergrund-Nachtclubs gesammelt. Versehen mit einigen Stipendien begann Kahlcke im Jahr 2009 in Rotterdam mit seiner ersten Schuhkollektion. Er erhielt in der Folge das Stipendium der „Worshipful Company of Cordwainers“ am London College of Fashion und schloß dort sein Studium des Schuhdesigns ab. Seine Abschlußkollektion wurde 2012 in London mit dem „Dato Jimmy Choo Award“ ausgezeichnet und beim International Talent Support 2013 in Triest gewann er den Preis „Accessory collection of the year“.

In Frankfurt an der Neuen Mainzer Straße 22 unterhält er seit zwei Wochen das „Schuhatelier Leonard Kahlcke„. Hier – auf rund sieben Quadratmetern in den Räumen der legendären Antiquitätenhändlerin Cornelia C. Barras – zeigt der Meister einige seiner Entwürfe, vor allem aber lagern hier rund 45 Paar Schuhe in unterschiedlichen Größen und Weiten, die Kahlcke als Basis für die Ermittlung der perfekten Paßform selbst entwickelt hat.

Der Schuh entsteht immer in direkten Dialog mit Leonard Kahlcke – der übrigens ein enorm kenntnisreicher und angenehmer Gesprächspartner ist. Machart und Modifikation sind ebenso wählbar, wie gewünschte oder nötige Nuancen in der Passform und Schnittführung. Die Schuhe von Herrn Kahlcke werden ausschließlich per Hand gefertigt, der aus seiner Sicht einzige Weg um seinen Ansprüchen an Paßform und Ästhetik gerecht zu werden. Die Herstellung übernimmt ein Familienbetrieb in Österreich, der seit Generationen für höchste handwerkliche Kompetenz steht. Auch die Lederauswahl ist beeindruckend – Leonard Kahlcke will nichts, aber auch garnichts bei seinen Schuhen dem Zufall überlassen.

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Und so ist in Frankfurt ein Platz entstanden, an dem Mann sich einen schönen Schuh anfertigen lassen kann und dabei sehr gut und kenntnisreich beraten wird. Die Frische, mit der der „Seiteneinsteiger“ Kahlcke hier dem Regiment der tradierten Produzenten auf die eingeschlafenen Füße tritt, gibt Hoffnung. Und richtig gute Schuhe. Lieferzeit sieben bis 12 Wochen. Preise ab 880 Euro.

5. März 2016

Glückskäfer – es gibt Formen die man nicht verbessern kann

by G. B.

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Nach dem Vorbild eines Art Déco Manschettenknopfes hat die Goldschmiedin Pamela Harig eine kleine Kollektion von Manschettenknöpfen mit Skarabäen entwickelt. Angeregt durch archäologischen Forschung – im Jahr 1922 wurde die Grabkammer des legendären ägyptischen Königs Tutanchamun entdeckt – übernahm der Art Déco Gestaltungselemente wie das Motiv des Skarabäus für Schmuckstücke.

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Die Glückskäfer sind nach dem Vorbild des Heiligen Pillendrehers (Scarabaeus sacer) entstanden, ausser für Glück stehen sie auch als Symbol der Schöpferkraft. Kurzum: Mehr geht nicht an der Manschetten.

Die Manschettenknöpfe von Pamela Harig sind mit Skarabäen aus Lapislazuli, Onyx, Bergkristall und Phrenit besetzt, die in Idar-Oberstein geschliffen werden.

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Der Rest entsteht in der Golschmiede Orfebria PAM in Palma de Mallorca in Handarbeit. Alle Farbkombinationen sind möglich, dazu doppelte Skarabäen oder die Kombination eines Skrabäus mit einer Halbedelstein-Kugel aus Lapislazuli oder Zitronen-Chrysopras.

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Die Ausführung in Sterling-Silber kostet in der Version Skarabäus & Skarabäus 550,00 Euro in der Kombination Skarabbäus und Kugel 450,00 Euro. Alle Manschettenknöpfe enstehen made to order.

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Wer neugierig ist, kann die schmucken Teile bei den kommenden Slow-Wear Veranstaltungen in München (15. und 16. April) oder Frankfurt (18. und 19. April) besichtigen.

1. März 2016

w’lfg’ang: Sturm und Drang

by G. B.

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Wolfgang Jarnach hat nun auch einen Webshop für seine Marke w’lfg’ng etabliert. Hier gibt es gute gemachte Kleidung rund um nasses, kaltes oder sonstwie unschönes Wetter. Für die eher konservativen Kunden bietet sein neuer Regenmantel „Mac“ eine gelungene Symbiose auf klassischem Auftritt, gepaart mit sportlichem Schnitt und der vollen Ladung an Funktionalität.

Der Mac ist inspiriert von klassischer britischer Regenbekleidung. Klares Design mit verdeckter Knopfleiste und zwei Patten-Taschen außen gehen als Begleiter zum Anzug auch gut. In stürmischen Zeiten werden der Kragen und die Kapuze zusätzlich mit einer Stormflap geschlossen. Die Kapuze kann glücklicherweise sofort wieder vom Mantel abgetrennt werden.

Der regenfeste „Doubleface“-Oberstoff, mit einer navy- und einer sandfarbenen Seite, ist von „The British Millerain“ und wird aus zwei leichten miteinander verbundenen Baumwollköpern gefertigt. Diese Verbindung, gepaart mit der wasserabweisenden Behandlung des Stoffes, halten den Träger des Mantels auch am Hallig Hooge trocken. Und um die Ingenieursleistung zu vervollständigen wurden zusätzlich alle Nähte versiegelt. Der Regenmantel kann einfach über das interne Reißverschluss-System mit einer Leichtdaunen-Weste kombiniert werden und schützt so ganzjährig vor Nässe und Kälte.

26. Februar 2016

Frank Landau zeigt Kunst und Design nach 1945

by G. B.

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Frank Landau beschäftigt sich in seiner neuesten Ausstellung mit der Frage wo Kunst aufhört, Design anfängt und umgekehrt.

Vom 3. März bis zum 16. April 2016 zeigt er in seinen Galerieräumen in der Braubachstraße die Arbeiten von „Grenzgängern“ aus Kunst, Design und Architektur.

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Zu sehen und zu kaufen gibt es Objekte von Otl Aicher, Thomas Bayrle, Karl Duschek, Egon Eiermann, Hermann Glöckner, Herbert Hirche, Walter Papst, Ingo Maurer, Dieter Rams und Anton Stankowski.

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Vernissage: Mittwoch, 2. März 2016 – 19.00 Uhr

 

 

 

 

22. Februar 2016

Robert Pinsky’s „Shirt“

by G. B.

Watch this on The Scene.

6. Februar 2016

Ausgelacht – Der Herrenwitz ist nicht mehr zeitgemäß

by G. B.

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Der Herrenwitz droht zum Opfer allgemeiner Spaßbefreiung und der Unlust am möglicherweise Inkorrekten zu werden. Hatte noch Rainer Brüderle mit einer Bemerkung zum Thema Dekolleté für einen Aufschrei der moralisch Berechtigten gesorgt, ist diese Form des Humors mittlerweile fast in der Versenkung verschwunden. Thomas Gottschalk, Harald Schmidt und Helmut Schleich haben ihr Möglichstes getan, sind aber ebenso wie der Herrenwitz heute ein Randmotiv des schrumpfenden humoristischen Universums.

Der Witz hat Herkunft und Geschichte – die älteste Witzsammlung wurde im fünften Jahrhundert in griechischer Sprache unter dem Titel „Der Lachfreund“ verfasst und liefert 265 Scherze. „Ende des 17. Jahrhunderts bedeute witzig so viel wie geistreich und bezeichnete insbesondere die schnelle Gedankenverbindung, die intellektuelle Kombination oder die geistige Beweglichkeit. Von der Wortherkunft war der Witz ein heller, lebendiger Verstand („Mutterwitz“). Erst im 19. Jahrhundert wurde es üblich, das Wort in erster Linie auf die Produkte witziger Äußerungen zu beziehen und in diesem Sinne von einem Witz zu sprechen“, erklärt uns Wikipedia.

Kant, Schopenhauer, Freud haben über Witze viel geschrieben und analysiert – heute ist der Witz oft in der Verkleidung als Kalauer nur die Tagesarbeit dümmlicher Comedians. Der Herrenwitz, einst geistreicher oder -loser, zynischer, böser und oft derber Beitrag zur Entspannung komplizierter Situationen, einer weinseeligen Runde oder einfach nur banaler Angriff gegen einschläfernde Gespräche ist heute eigentlich nicht mehr tragbar. Herren sind auch beim Witzerzählen konventionell an Regeln gebunden, die einen Herrenwitz (also ein Witz unter Herren) schnell im Licht der sexuellen Belästigung funkeln lassen. Die Natur des Witzes ist nunmal der inkorrekte Inhalt, er kann, aber muss nicht dümmliche Frauenbilder reproduzieren und auch nicht platt kalauern – und so zeichnet sich guter Geschmack beim Witzerzählen sowohl in der Auswahl der Zoten als auch der Zuhörer aus.

Aber das ist offenbar zu mühsam oder gefährlich und so erfolgt heute – wo früher in einer Runde mal ein schneller Witz klug und pointiert vorgetragen wurde – meist eine Art gespielte Powerpointpräsentation, die sich häufig um berufliches, sportliche Herausforderungen, Bartpflege, Weinkennerschaft, handrollierte Einstecktücher oder Superfoods dreht. Gelacht wird seltener, der Ernst der Lage hat alle gleichermaßen erfasst und befreiender Blödsinn in Witzform scheint der Situation nicht mehr angemessen. Nicht mißverstehen: Dauerwitzerzähler sind die absoluten Obertrottel, ein im situativen Kontext gut plazierter Witz aber immer ein Zeichen eines noch wachen Geistes. Und: Ein Witz ist kein Ersatz für Humor.

23. Januar 2016

Galerie Anita Beckers – Wiederholung in der Kunst

by G. B.

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Die Frankfurter Galeristin Anita Beckers, die seit vielen Jahren – national wie international – durch kluge und interessante Ausstellungen einen hervorragenden Beitrag zur Kunstvermittlung leistet, beginnt mit „Fortsetzung folgt – to be continued“ einen Ausstellungszyklus zum Thema der Wiederholung in der Kunst. Ziel der Ausstellung ist eine sinnliche Begegnung von Kunstwerken aus unterschiedlichen Epochen herzustellen, deren Methodik ähnlichen Prinzipien folgt, letztendlich aber in ganz unterschiedlichen Bildfindungen endet.

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In der Geschichte und Gegenwart der Kunst greifen Künstler immer wieder medien- und genre-über-greifend das Prinzip der Wiederholung auf. Gerade in unserer bildüberfluteten Welt möchte Anita Beckers mit dem Ausstellungszyklus eine Spannung aus der Gegenüberstellung und der Umsetzungsweise der künstlerischen Konzepte zu beziehen. Den Anfang der Reihe machen Werke von William Anastasi (1933/USA), Christiane Feser (1977/D), Norbert Frensch (1960/D) und Adolf Luther (1912-1990/D).

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Seit September 2015 verbindet Anita Beckers und Frank Landau eine enge Kooperation in der gemeinsamen Galerie in der Frankfurter Innenstadt. Im Rahmen ihrer Zusammenarbeit in den Räumen an der Frankfurter Kunstmeile Braubachstraße bereichern Beckers und Landau die Kunst- und Designszene in der Region mit neuen Impulsen. Abwechselnd – und auch gemeinsam – zeigen die beiden Ausstellungsprojekte von der Avantgarde über zeitgenössische Kunst, Videokunst bis hin zu Design.

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Wir sind froh, dass sich Lilian Fock und die Sartoria Colazzo wieder in diesem anregenden Umfeld präsentieren dürfen.

18. Januar 2016

Lilian Fock Hemden und Sartoria Colazzo am 29. und 30. Januar in Frankfurt

by G. B.

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Die Produkte der Sartoria Colazzo sind unseren Lesern ja mittlerweile bekannt. Und auch über Hemden ist vieles, wenn nicht sogar alles gesagt und geschrieben worden. Trotzdem wollen wir an dieser Stelle unsere Erfahrungen und ein wenig Expertenwissen zu den Hemden von Lilian Fock vortragen. Denn Frau Fock wird ab der nächsten Veranstaltung am 29. und 30. Januar ihre Hemden exklusiv den Lesern und Freunden von Slow-Wear anbieten.

Wir haben uns zahlreiche Hemdenmacher angeschaut, ist ja nicht so, dass es in Deutschland keine guten Hemden zu erwerben gäbe. Aber der Anspruch von Lilian Fock (der auch durch Testhemden, die wir seit einigen Monaten im täglichen Gebrauch haben, untermauert wird) passt hervorragend zu unserer Auffassung von Paßform, Qualität und Preisgestaltung.

Lilian Fock wird in Deutschland nur Hemden auf Maß anbieten, bei den Stoffen (das Angebot ist ja insgesamt riesig) haben wir uns gemeinsam zum Start für die Erzeugnisse der traditionsreichen italienischen Weberei Sictess entschlossen. Eine umfangreiche Stoffauswahl steht in Frankfurt zur Besichtigung bereit. Lilian Fock berechnet für ein maßgefertigtes Hemd 260,00 Euro.

Dafür wird neben hochwertigsten Stoffen vor allem eine detailreiche und qualitativ nach unseren Erfahrungen beispiellose Handarbeit geboten. Ein Schneider und sechs Näherinnen sorgen in Neapel für die Ausführung. Im Detail bedeutet das: Um dem exakten Verlauf des Stoffes zu folgen, wird jedes Hemd von Hand zugeschnitten und vom ersten bis zum letzten Arbeitsgang von einer einzigen Schneiderin genäht. Für jedes Hemd beträgt der Arbeitsaufwand rund sechs Stunden bis zu seiner Fertigstellung. Und so ist auch die Kapazität für die Herstellung der Lilian Fock Hemden beschränkt, weniger als 2000 Hemden werden jährlich für Männer in der ganzen Welt gefertigt.

Die Passform (neben den individuell gewonnen Maßen) wird durch die im Übergang zwischen Ärmel und Seitennaht versetzte Naht erheblich verbessert. Denn sie sorgt für einen perfekten Sitz , die unschönen Falten in Brusthöhe verhindert. Diese aufwendige Technik wird sonst nur in der schneidermässigen  Herstellung von Jacketts genutzt. Bei Lilian Fock Hemden sind auch die Ärmel von Hand angenäht, was die Nähte außergewöhnlich weich und anschmiegsam macht – zusätzlicher Tragkomfort für den Besitzer.

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Auch die Kragen werden von Hand eingenäht, so erhält der Kragen eine saubere und elegante Passform, ohne „brettig“ zu sein. Zu einem deutlichen Plus an Komfort führt auch die ebenfalls von der Schneiderin händisch angenähte Schulterpasse. Die “FARFALLA” – das kleine Dreieck welches den Vorder- und Rückenteil des Hemdes verbindet – ist ebenfalls von Hand eingenäht und wird jeweils auf dem Stoff des Hemdes angefertigt. Der “TRAVETTO” schützt die Ärmelpatte und innere Brustpasse vor dem einreißen. Ein kleines, aber sehr feines und nützliches Detail.

Die Knopflöcher sind natürlich von Hand genäht, Knöpfe sind aus echtem australischem Perlmutt gesägt und werden mit dem Lilienstich “Giglio” angenäht. Diese Technik entstammt der alten neapolitanischen Schneidertradition und kann nur von erfahrenen Schneiderinnen angewendet werden – von Maschinen, die Handarbeit imitieren sollen, schon gar nicht. Der “CANONCINO“, die Knopfleiste (die in einem “Travetto” endet), ist ebenfalls weich (von Hand) vernäht und sorgt auch im Sitzen für beste Passform des Hemdes. Die Nähte sind mit 8/10 Stichen pro cm “alla inglese” gefertigt. Auch hier gilt: Je feiner die Seitennaht, desto hochwertiger ist das Hemd.

Wer Interesse an den Hemden hat und am 29. oder 30. Januar vor Ort in Frankfurt einen Blick oder eine Bestellung platzieren möchte, meldet sich bitte bei gb (at) slow-wear.de

 

 

14. Januar 2016

Pitti Uomo – un ballo in maschera

by G. B.

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Nach einem Besuch bei Lilian Fock in Nardò und den Colazzos in Martano sowie einem Ausflug zu einem Weber und einem Krawattenhersteller in Apulien haben wir auf der Heimreise die internationale Leitmesse für Herrenmode besucht. Auf die geckenhafte und alberne Kostümierung vieler Messebesucher einzugehen, wollen wir uns verkneifen. Inwiefern ein sartoriales Dschungelkamp aber nützlich für die restlichen Besucher ist, bleibt das Geheimnis der Sprezzaturakasper und ihren willigen Selfie-Fans. Wir halten es aber für wenig hilfreich sich Selbstdarstellern in Stilfragen anzuvertrauen. Davon unbeeindruckt in die Hallen geschaut und keinerlei positive Überraschungen gesehen.

Vielmehr fährt dem nüchternen Besucher angesichts der ideen- und belanglosen Präsentation der Warenwelt eher ein Schreck in die Glieder. Seit der Erfindung der Kleiderpuppe scheint hier niemand mehr über interessante Präsentationsformen nachgedacht zu haben. Ausnahmen waren der Schuhmacher Carmina (im Design der eigenen Geschäfte) und Stoffproduzent Harris Tweed (mit klarer Bildersprache auf großformatigen Fotos).

Auffallend ist auch der allseits wachsende Trend zum „Total Look“, was soviel bedeutet wie „ich mache jetzt alles.“ Wir sahen Hemdenmacher mit Kollektionen von Pullovern, Anzügen, Krawatten ja sogar Lederaccessoires. Der Krawattenspezialist Marinella macht in Jeans und andere selbsternannte „Luxus“-Marken machen ja schon länger ohne erkennbare Kernkompetenz alles.

Die Verbreiterung eines Sortimentes hat immer rein wirtschaftliche Gründe, wie die erfolgreiche Operation des Sportwagenherstellers Porsche zeigt. Ausgehend von der Kernkompetenz Sportwagen wurde der Markenkompetenz in andere Fahrzeugklassen transportiert. Das mag eingefleischte 911er Fans erzürnen, war aber wirtschaftlich erfolgreich. Wir verstehen allerdings nicht, welcher Markenkern von einer Krawatte in die Jeans transportiert werden soll. Und vermuten, dass sich auch der Hersteller darüber keine Gedanken gemacht hat.

Es ist ja bei Trends in deren weiteren Verlauf oft die Folge, dass man etwas tut, weil es andere auch tun. Meist ohne dabei einen eigenen Sinn und Nutzen zu gewinnen. Für uns geht hier Ideenlosigkeit in Angebot und Präsentation eine unheilige Allianz mit dem wirtschaftlichen „Konzept“ ein. Eines scheint klar: Das Total Look Konzept ist auch nicht mehr auf den Fachhandel zugeschnitten und angewiesen, sondern baut auf Single-Brand-Stores oder Shop-in-Shop-Systeme. Keine schöne Aussicht.

Nach der Flucht aus dem süßlichen Gemisch vermeintlicher stilistischer Weltherrschaft hilft ein Besuch der architektonischen Sehenswürdigkeiten der Stadt am Arno und läßt diesen Vormittag im sanften Nebel der Bedeutungslosigkeit versinken.

 

24. Dezember 2015

Im Gespräch mit Bernd Waltemode

by G. B.

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Bernd Waltemode gehört mit seinem gleichnamigen Geschäft im hessischen Bensheim seit Jahren zur ersten Liga der Herrenausstatter in Deutschland. Nach 25 Jahren schließt der 66jährige im Dezember sein Geschäft.

Herr Waltemode, warum schließen Sie ihr schönes Geschäft?

Der Hauptgrund ist tatsächlich das Auslaufen meines Mietvertrages nach 25 Jahren zum 31.12.2015 in Verbindung mit dem Umbau des 350 Jahre alten Objekts. Ungewiss ist die Dauer des Umbaus – kann vielleicht ein Jahr dauern.

Haben Sie Pläne für einen neuen Auftritt?

Nach einer vier- bis sechsmonatigen Pause werde ich noch einmal darüber nachdenken. Ich bin sicher, dass unsere Kunden nicht verloren gehen.

Was werden Sie ganz sicher vermissen?

Vermissen werde ich auf jeden Fall den heutigen Kontakt mit netten und interessanten, aber auch mit schwierigen Menschen. Eine echte Herausforderung, weil jeder absolut eine andere Einstellung verlangt.
Natürlich werde ich auch die Reisen, z.B. nach Neapel, Mailand, vermissen.

Und was nicht?

Nicht vermissen werde ich einige wenige Kunden, die mit unserem sehr strapazierten Wort „Sprezzatura“ so gar nichts anfangen können und sich noch nicht einmal auf etwas Neues einlassen wollen. Aber am wenigsten werde ich die „Gutbetuchten“ vermissen, die bei einem auf 30 Euro reduzierten Einstecktuch eine Stunde über diesen Erwerb nachdenken, dann auch noch über den Preis verhandeln wollen und anschließend mit Kreditkartte zahlen. Nein Danke.

Haben Sie ein Lieblingsgeschäft?

Ja – mein Liebligsgeschäft war (!) immer „Tie your Tie“ in Florenz. So sollte mein Laden sein: Klein, auch kleine Auswahl, aber von allem nur das Beste.

Was gefällt Ihnen hier besonders?

Besonders gefällt mir daran, wie schon gesagt, „von allem einfach nur das Beste“.

Sie gehören ja zu den Pionieren im Verkauf sehr hochwertiger italienischer Hersteller, was hat sich im Markt in den letzten Jahren geändert?

Geändert hat sich fast alles. Vor 15 Jahren fing es an, dass Männer ins Geschäft kamen mit Blue Jeans, weißem Hemd und blauem Blazer und mir verrieten, dass sie sich overstyled fühlten. Das war das Startzeichen für Männer, die Krawatte in den Müll zu werfen, das Hemd bis zur Brust zu öffnen, um sich unsagbar jung zu fühlen. Die Ergebnisse sehen Sie in jeder Fußgängerzone – aber auch die Alte Oper in Frankfurt ist davon befallen. Wenn ich in der Pause eine Runde drehe, denke ich manchmal, ich finde keinen, dem ich ein paar Strümpfe verkaufen könnte. Dies ist sicher etwas überzeichnet, aber nicht arrogant gemeint. Der Rest des Problems sind der Internet-Verkauf, die Outlets, sowie die viel zu frühen Reduzierungen in der Branche.

Angesichts einer wachsenden Funktionsjacken-Kultur in Deutschland stellt sich die Frage, ob die Eleganz schon tot ist. Wie erleben Sie den deutschen Mann im Tagesgeschäft?

Wir haben gar keine Funktionsjacken. Ich trage mal eine auf Waldspaziergängen. Für mich sieht jeder Mann mit „unserer“ Kleidung viel attraktiver und erfolgreicher aus: Wenn er morgens aus dem Haus geht, ist er bereit für diesen Tag! „Gib jedem Tag die Chance, der beste deines Lebens zu werden!“

Viele Hersteller suchen ja schon lange ihr Heil im Aufbau eigener Geschäfte. Darunter leidet natürlich auch der Einzelhandel, wie haben Sie diesem Trend erlebt?

Siehe „Tie your Tie“! Leute, die wirklich Geld ausgeben wollen, brauchen gute Verkäufer und keine angelernten Sprecher, die keine Leidenschaft versprühen. Der Top-Verkäufer mit Erfahrung und Fingerspitzengefühl ist einer der wengen Vorteile, den die „Spezialisten“ in unserer Branche haben.

Sehen Sie den Online-Handel als Chance, oder eher als Bedrohung für die (wenigen) inhabergeführten Herrenausstatter in Deutschland?

Ich handele nicht online. Wie kann ein Mann im Internet Schuhe oder ein Sakko kaufen? Ich glaube, der „echte Kunde“ will sich vom Berufsstress für eine kurze Zeit entspannen, etwas Positives hören und nicht in Kleiderständern zwischen 35 verschiedenen Passformen usw. wählen. Hier kommt wieder der gute, starke, kompetente Verkäufer ins Spiel. Er fühlt den Kunden, überlegt im Gespräch, welche Karte (sprich Farbe, Ware usw.) er spielt und legt ihm DIESES EINE Teil vor. Nach Möglichkeit ohne Worte. Ich glaube, so funktioniert‘s, weil es auch immer solche Kunden (leider nicht viele!) geben wird.

Hat der hochwertige Einzelhandel jenseits der großen Labels überhaupt noch einen Zukunft?

Ja, das hat er, wenn auch nur für wenige.

Was raten Sie (den wenigen) neuen Händlern?

„Stay hungry“!

Ihr Motto?

Mit Bruce Lee sage ich: It’s not what happens that counts, it’s how you react.
Stay positive. Walk on.

Schenken Sie uns eine Weisheit?

Don’t try to be a man of success, rather try to be am man of value.

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