14. September 2014

Notdürftig zum Rabatt

by G. B.

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Wo sonst nur Granofink-Werbung über Urinalen prangt, geht ein Frankfurter Einzelhändler im “Skyline-Plaza”jetzt neue Wege. Advertising while you pee – und dazu noch eine Pinkel-Gratifikation  von fünf Euro auf den Einkauf bei Vorlage des Sanifair Bons. Hier schlagen die Herzen der Marketeers höher: Lokus-Marketing wird auch beim Herrenausstatter salonfähig. Wir haben zwar die erpinkelte Rabatt-Chance nicht genutzt, sind aber angesicht eines solchen Strahls an Kreativität gelb vor Neid.

1. September 2014

Everybodies Haarling?

by G. B.

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Mit dem Regisseur Cary Fukunaga, der anlässlich der Emmy Verleihung mit einer Flecht-Zopf-Frisur aufwartete, beginnt im Internet eine Debatte um Zopffrisuren bei Herren. Der Verfasser dieser Zeilen lebt seit geraumer Zeit getrennt von seinem Haupthaar und kann hier eine eher neutrale Position aufweisen. Trotzdem lassen uns die diversen Haarverpflanzungen im frisurauffälligen Profifußball aufhorchen. Die bange Frage: Müssen Männer eine Frisurenmode beachten?

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Im Showgeschäft und bei Rasenspielen ergibt sich offenbar neben der eigentlichen Tätigkeit auch immer ein sehr expressiver Selbstdarstellungszwang, der sich häufig in der Aufbereitung des Haupthaares kanalisiert. Die Miniplie Vokuhila oder auch das gesträhnte Haupthaar haben sich im Rückblick als eher albern und für dauerhafte Distinktion ungeeignet erwiesen. Der Zopf war mal eine Zeit das Markenzeichen von Kreativen (und unserer Jugendliebe in der 2. Klasse) ist aber mittlerweile im verklemmten Bio-Spießertum in der Mitte des Gesellschaft und darunter angekommen.

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Historisch gesehen ist der jetzt so gehypte geflochtene Zopf auch Teil der germanischen Geschichte, hier wurde aber weniger Wert auf Eleganz als auf Brandschatzen und Plündern gelegt, was die Frage nach dem Wert solcher Frisuren in der Gegenwart unbeantwortet lässt.

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Ist die Frisur als modisches Statement wichtig? Wir finden, auch hier kommt es auf die Passform an, denn das Haupthaar soll ja irgendwie zum Besitzer, seinem Kopf und seiner Lebenswirklichkeit passen – Alltagsflucht via Haarkleid kann es nicht geben, Exotik am Sklap wirkt eigentlich immer bemüht. Modefrisuren gehen einher mit Massenhysterie auf dem Friseurstuhl und vermitteln dann eben nicht die gewünschte Individualität bei der Kopf-Behaarung, sondern führen vielmehr zu einer kollektiven Einheitsbepelzung – gut erkennbar angesichts der angesagten Rauschebärtigkeit, die uns eine Vielzahl von kaum zu unterscheidenden Bartgesichtern beschert.

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Kurzum: Jeder soll nach und mit seiner Haarfaçon glücklich werden – aber bitte nicht dem Beispiel von Schauspielern, Regisseuren oder Fußballspielern folgen.

20. August 2014

Mobiles Sitzen ohne Plastik

by G. B.

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Nicht nur in der Herrenbekleidung, sondern auch in der Abteilung mobile Sitzgelegenheiten sind Verbrechen gegen den guten Geschmack die absolute Regel. Wenn es praktisch werden muss, dann macht sich scheinbar so gut wie niemand mehr Gedanken über Material und gutes Design mit Stil. Ein wackeres Ehepaar aus der Nähe von Rosenheim hat hier einen erwähnens- und lobenstwerten Kontrapunkt gesetzt, auf den wir am dieser Stelle einmal deutlich hinweisen möchten. Unter dem Namen Kampier werden mobile Sitzgelegenheiten angeboten, die ihr Vorbild in der sogenannten Campaign Furniture der britischen Kolonialzeit haben.

Nachdem das britische Kolonialreich zerfallen ist und auch sonst die englischen Bemühungen im Ausland eher so kurz ausfallen, dass nicht wirklich eine Sitzgelegenheit benötigt wird (siehe Weltmeisterschaft 2014), sind diese wunderbaren Entwürfe etwas in Vergessenheit geraten. Durch Kampier wurden sie nun wieder entdeckt und aufs Feinste interpretiert. Material und Verarbeitung sind schlichtweg stimmig. Getreu unserem Motto “Why suffer” haben wir zum Wohl unserer treuen Leser den Stuhl in einer sehr hochwertigen Ausführung für uns bauen lassen. Die Wahl fiel dabei auf die besonders schön gezeichnete Nackenhaut des Ochsen, die zudem sehr dick und bequem ist, gerade wenn sie von echten Fachleuten gegerbt wurde. Das Ergebnis unserer Auswahl ist bei Kampier für Euro 650 auf Vorbestellung zu haben, jeder Stuhl ist ein Unikat, da jede Nackenhaut unterschiedlich ausfällt. Der Stuhl ist in Sekunden auf- und wieder abgebaut, leicht zu transportieren und schlichtweg bequem. Ein Klassiker, der es verdient hat einen Platz im Olymp des Designs, im Wohnzimmer, Garten oder auf dem Campingplatz in Lignano einzunehmen.

11. August 2014

Sie nannten ihn Schlipsohr

by G. B.

Galgen

Eigentlich ist Urlaubszeit und die textile Front verharrt im Stellungskrieg mit Schlußverkaufs-Munition vor dem zu erwartenden Einbruch der Wintersaison. Diese leblose Zeit nutzen Redakteure gerne, um mit allerlei Blödsinn Zeilenhonorare zu schinden. Wir lesen also unter dem Titel „Der schleichende Tod der Krawatte“ in der Welt den x-ten Abgesang auf den Binder. Nun ist es uns in der Regel völlig gleichgültig, in wieweit etwas als modisch, attraktiv oder auch uninteressant deklariert wird (es sei denn, wir tun es), aber Karsten Seibel, ein Finanzredakteur mit Sitz in Frankfurt, versucht in seinem dünnen Stück einen ganz besonderen Zusammenhang zwischen der fraglos rückläufigen Zahl der Krawattenträger und einer neuen Ethik in der Finanzbranche darzustellen.

Wir zitieren: „Bäuche ohne baumelnde Krawatten davor müssen also nicht negativ sein. Sie können auch für Aufbruch stehen: das Ende der Uniformität als Zeichen des angestrebten Kulturwandels in der Finanzbranche. Statt wie in der Vergangenheit den anderen als Lemming hinterherzulaufen – und dann gemeinsam in den Abgrund zu stürzen –, geht der eine oder andere endlich eigene Wege. Er weiß, dass ihm ein Kopf ohne Binder nicht abgerissen wird. Vorgaben dürfen hinterfragt, Entscheidungen korrigiert werden. Und das beginnt am Morgen, vor dem heimischen Kleiderschrank. Es könnte sich lohnen, Krawattenzählungen vor einzelnen Banken in Frankfurt zu machen. Je geringer die Krawattendichte, desto freier die dort arbeitenden Köpfe, desto zukunftsfähiger das Institut. Eine charmante Theorie. Um die Zukunft des einst von Kroaten eingeführten Kleidungsstückes stünde es dann freilich nicht gut – zumindest in Frankfurt. Aber das wäre für ein stabiles Bankensystem zu verkraften“

Für geschmacklich eher verhuschte Männer ohne stilistisches Selbstwertgefühl, die Kleidung nur als Teil einer Sicherheits-Uniformität verstehen, mag die Krawatte ja möglicherweise ein Joch am Hals sein, aber am „Ende“ ist sie einfach ein Stück gefalteter Stoff, der zu manchen Anlässen geboten ist und oft einfach nur eine individuelle und elegante Note des Trägers ermöglicht.

Offene Hemden sind meist attraktiv, in vielen Anzügen ohne Krawatte wirken deren Träger aber wie Mitglieder des iranischen Revolutionsrates. Die Bequemlichkeitsdoktrin ist hier häufig genug kritisiert worden, aber eine Krawatte ist eigentlich nur in der Sauna oder auf dem Tennisplatz hinderlich, ansonsten ist sie einfach eine Zier (meistens), daher nutzlos aber schön. Ganz sicher ist sie kein Barometer für den „Kulturwandel“ in den Banken und keinesfalls ist sie geeignet um im Kontext von Sozialgeschwurbel als Symbol der Unterdrückung gebrandmarkt zu werden.

Wir halten es mit Balzac: “Ein Mann ist soviel wert wie seine Krawatte. Durch sie enthüllt sich sein Wesen, in ihr manifestiert sich sein Geist. Der Geist des Mannes zeigt sich in seiner Fähigkeit, die Krawatte zu binden“ und empfehlen für den Protest gegen einfallslose Bekleidung Krawatten von

Broska, Petronius und Cordone 1956

29. Juli 2014

Voll auf Zapf

by G. B.

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Im Salzburger Land, genauer gesagt in Werfen im Pongau liegt das nationale Filzhut-Mekka Österreichs. Die Hutmacherei Zapf wurde im Jahr 1893 von Johann Zapf gegründet und war sogar K.u.K Kammerlieferant.

 

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Heute ist Zapf sowohl auf dem Kopf Pongauer Landwirte, Kärntner Jäger oder Düsseldorfer Bankiersgattinnen zuhause. Die Kopfbedeckungen entstehen unter den kundigen Händen von 12 Mitarbeitern je nach Ausführung in zehn bis fünfzehn Arbeitsschritten.

Dabei wird der Rohling – vom Hutmacher „Stumpen“ genannt – von Hand aufgezogen und „garniert“. Die in Europa hergestellten Stumpen aus Haar- (Hasenhaar) oder Wollfilz werden über Dampf in Form gezogen – im schönen Gegensatz zur industriellen Hut-Herstellung, denn hier wird der Filz in Form gepresst.

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Mittlerweile stellt die kleine Firma unter den Kategorien „Classic“, „Exquisite“ und „Jagd“ drei verschieden Hutlinien für Damen und Herren her. Der Besuch im verträumten Bergdorf lohnt auch deshalb, weil mit dem Restaurant Hotel Obauer in ca. 150 Metern Entfernung eine der besten gastronomischen Adressen in Österreich quasi nur eine Hutschnur entfernt liegt.

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Außerdem hat Zapf einen wirklich gut gemachten Webshop mit den Highlights des Ladens.

16. Juli 2014

Herr Görner lässt Sie nicht im Regen stehen

by G. B.

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Zu der vernünftigen Grundausstattung der Herrengarderobe zählt der Regenmantel. In Zeiten erdrückender Funktionsjacken-Präsenz schützt ein Regenmantel seinen Träger nicht nur vor Witterungseinflüssen sondern hebt ihn auch wohltuend von der Masse stilistisch verwirrter Wandersleut ab. Wer jetzt trotz Sommersonne antizyklisch planen und für kommenden Regen gerüstet sein will, der wir bei Stephan Görner fündig. Der Frankfurter Schneider bietet einen dunkelblauen Regenmantel auf Maß – gefertigt aus Super150er Stoff von Loro Piana in einer Mischung aus Wolle, Seide und Elastan – mit einem leichten Gewicht von nur 170 Gramm. Dieses sogenannte “Storm System” ist ein Wind und Regen abweisender Stoff, der sich gerade in der milderen Jahreszeit hervorragend bewährt. Auf Wunsch wird der Regenmantel als Ein- oder Zweireiher gefertigt, „Gimmicks“ wie Kontrastkragen, Knöpfe und Futter sind frei wählbar. Der Preis beträgt 799 Euro, die Lieferzeit nach Maßnahme etwa vier Wochen.

3. Juli 2014

Das Schreiben der Belämmerten

by G. B.

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Und wieder öffnet das stilistische Sommerloch gähnend seinen Schlund: Die Süddeutsche Zeitung stammelt unter dem Titel „Hinfort mit den Krawatten“ einen halbherzigen, allgemeinsplatzschwangeren und sprachlich einfallslosen Text rund um die Krawatte daher. Sekundiert wird der ahnungslose Autor Oliver Klasen (der angeblich keine „abgegriffenen Sprachfloskeln“ mag) vom Franz Beckenbauer der deutschen Gentleman-Ingenieurswissenschaft: Bernhard „Stil-DIN“ Roetzel. Wir lesen Bonmots wie: „Der wichtigste Tipp, den Stilberater Roetzel gibt, ist sehr beruhigend: “Achten Sie bei der Krawattenwahl in erster Linie auf ihre persönlichen Proportionen und erst in zweiter Linie auf die Mode.” Roetzel, sprachlich und inhaltlich voll auf Ballhöhe, beobachtet messerscharf: “Der derzeit noch angesagte Slim Fit funktioniert nur bei schmalen und schlanken Typen wirklich gut”.

Leider zeigt sich in der redaktionellen Berichterstattung „klassischer“ Medien nicht nur saisonal, sondern ganzjährig eine krasse Einfallslosigkeit gepaart mit fehlender Sachkenntnis. Ewig wiederkehrende Anzug-, Schuh-, Hemden und Uhren-Ratgeber wechseln sich mit markentrunkenen Berichten – die eher an „Advertorials“ erinnern –  rund um die großen Schauen der sogenannten Luxusmarken (und Anzeigenkunden) ab. Auch herausragende Magazine wie Cicero beschäftigen mit Alexander Grau einen selbsternannten Stil-Kritiker, dessen Kolumne beim Leser einen anhaltenden Phantomschmerz nach einer totalen Inhaltsamputation bewirkt.

Selbst ein absoluter Ausnahme-Star wie FAZ-Redakteur Alfons Kaiser muss seine Sachkenntnis in einem inhaltlosen Hochglanz-FAZ-Magazin auf das Niveau redaktioneller Werbeträger wie der GQ herunterschreiben. Und als wäre die Verarmung der Handelslandschaft und die Uniformierung unserer Innenstädte durch „Luxus-Marken“ nicht schon traurig genug, müssen wir nun auch feststellen, dass Print zumindest beim Thema Herrenbekleidung geistig tot ist.

Es bleibt ein Rätsel, warum sich Redakteure, die ja täglich über weitaus komplexere Sachverhalte eloquent berichten, bei diesem Thema in „Ewig grüßt das Murmeltier-Manier“ sprachlich und inhaltlich nur Langweile und Allgemeinplätze verbreiten. Die stets gefragten „Stilberater“ leben davon, dass sie sich äußern, sichtbar bleiben und regelmäßig bei Deichmann Verkäufer für Geld schulen. Ihnen kann eigentlich niemand einen Vorwurf machen, denn schließlich besetzen Sie eine Lücke, die erst durch nachlassende Kompetenz des Handels, fehlende Vorbilder, Verarmung des Angebotes und einer wachsenden Freizeitkleidung-Bewegung entstanden ist.

Das schwarze Loch des Stils ist da.

26. Juni 2014

Went to beach

by G. B.

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Sommer ist da und für die umsichtigen Männer unter unserer Leserschaft beginnt die Badesaison mit der bangen Frage: “Passt die Badehose noch?” und “ist das gute Stück auch stilistisch noch wasserdicht?” Mittlerweile hat jede Marke Badeshorts für Männer im Programm, gern auch mit riesigen Logos. Wer kein Logo-Lude, Profi-Schwimmer oder Bademeister ist, greift hier besser zu den etwas dezenteren Badeshorts, die nicht nur im Wasser, sondern auch am Strand oder Beckenrand einen guten Eindruck vermitteln. Dabei muß es nicht immer die Badehose vom Herrenausstatter für einen dreistelligen Betrag sein, denn Traditionshersteller wie Speedo bringen hier nicht minder attraktive Ware an den Mann. Ab einem gewissen Alter (und auch abhängig von der Figur) sollte die Badehose ihren Zweck souverän zu Wasser und zu Lande erfüllen, aber nicht aus einem käsigen Juristen einen Beachboy machen wollen. Zurückhaltung bei Passform und Farbauswahl sind hier gute Begleiter bei der Kaufentscheidung. Wir haben ein paar schöne Modelle aufgelistet, die an der Beachbar oder am Kiosk des Stadtbades noch einen guten Eindruck machen. Von oben nach unten: Swim-Ology, Vilebrequin, Frescobal Carioca, Orlebar Brown und Olmaia.

 

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18. Juni 2014

Meisterstück

by G. B.

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Der Schreibgerätehersteller Mont Blanc zeigt in seiner aktuellen Anzeigenkampagne, wie Unternehmen Prominente glaubhaft für ihr Produkt werben lassen. Im Bild der Schauspieler Hugh Jackman, dessen Affinität zur Schriftstellerei und Poesie uns ja auch in zahlreichen Rollen (Wolverine, X-Man, etc.) deutlich wurde. Besonders schön ist die elegante Art, wie der vergeistigt blickende Mime das hochwertige Schreibgerät hält.

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12. Juni 2014

Reisefieber: G. Abo Napoli auf der Pitti Uomo

by G. B.

Die Pittti Uomo steht vor der Tür und wir freuen uns auf die zahllosen Bilder besonders individueller Männer mit Vollbart, Zigarren/Peifen, farbigem Schuhwerk, mindestens 24 Armbändern pro Handgelenk, etc., etc. . Einen Termin werden wir uns aber auf diesem Jahrmarkt der Eitelkeiten nicht entgehen lassen, denn ein Besuch bei G. Abo und ein Blick auf kommende Kollektionen ist uns wichtig. Wir schätzen das Produkt, seine Verarbeitung und die kundenfreundliche Preisgestaltung. Diehl und Diehl in Frankfurt bietet derzeit eine etwas verfeinerte Linie an – Passform und Schulter sind sehr beeindruckend, deutlich besser als beispielsweise die (deutlich teueren Waren) von Stile Latino.

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