3. Juni 2014

Touristen – Totengräber der Ästhetik

by G. B.

 

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Wir leben in einer Welt, in der sich jeder eine Reise leisten kann – eigentlich schön, denn Reisen soll ja bilden. Was dem Betrachter aber in den europäischen Metropolen an touristischer Bekleidungsinkompetenz entgegen schreit, ist eher ein Zeichen des Bildungsnotstands. Wir sehen in Paris, London, Rom, Barcelona und Berlin Touristenströme in Outdoorbekleidung, gewappnet mit Rücksäcken und teilweise auch noch bewehrt mit Nordic-Walking-Stöcken, diese Horden von Wandersleuten bevölkern die schönsten Plätze Europas und verstellen den Blick auf vereinzelt noch sichtbare Einwohner der genannten Städte.

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Diese wiederum erkennt man im Sommer daran (männliches Exemplar), dass sie zu keiner Sommerzeit in einer Stadt mit kurzen Hosen oder Sandalen herumschlappen. Wohltuend die Abende nach dem Abzug der marodierenden 7/8-Hosen-Seniorenhorden, nuttiger Leggingsträgerinnen und tätowierter Flip-Flop-Schlapper. Dennoch: Ganz Europa hat neben der Finanz- eine noch größere ästhetische Krise, denn die Touristen, die in den Metropolen in ihren atmungsaktiven Polyesterklamotten für ein Gruppenbild fehlender Selbstachtung sorgen, kommen ja überwiegend aus unserem Kulturraum (der mittlerweile zur Umkleidekabine des Schreckens mutiert ist).

Deutsche, Briten, Holländer, Belgier und Franzosen, alle geeint durch fehlenden Bekleidungs-Respekt: Kurzbehost und in Schlappen im Dom, in muffigen und zu engem Outdoorleibchen auf der Piazza Navona oder sicherheitshalber mir freiem Oberkörper, zeigt sich der Tourist in den Kulturhauptstädten als Vandale des Geschmacks. Da stehen sie nun und bewundern die Meisterwerke vergangener Zeiten, preisen die Schönheit von Kunst und Architektur und sehen selbst nur aus wie ein textiles Dixie-Häusschen.

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Fehlende Kinderstube, falsch verstandene Gestaltungsfreiheit, Dummheit und bloße Hässlichkeit vereinen sich dieser Tage wieder zum alljährlichen sommerlichen Barbaren-Ansturm. Der Wunsch vereinzelter Museen, Kirchen oder Lokale nach einer dem Umfeld entsprechenden Bekleidung wird mit Entrüstung als Angriff auf die persönliche Freiheit begegnet. Aber was ist eigentlich mit der Freiheit ästhetisch gebildeter Menschen und derer, die noch wissen, dass Wanderbekleidung nur auf dem Watzmann nötig ist und Flip-Flops eigentlich nur von Bademeistern getragen werden?

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30. Mai 2014

Hemdenmacher in Mailand?

by G. B.

Kann dem Mann geholfen werden, irgendwer Tipps?

 

Liebes Slow-Wear Team,

Ich könnte ein wenig Fachwissen gebrauchen. Nach wie vor fällt es mir sehr schwer passende
Hemden zu finden. Ich suche letztlich klassische Hemden: Doppelmanschette, Hai, u. U
Kontrastkragen. Hauptproblem bleibt die Weite. Bei einer Kragenweite von 40cm u. einer Taille von 82cm bekomme ich Hemden die etwa 20 cm zu weit sind.
Ich habe heute zu hören bekommen, ich solle nach Mailand fliegen um mir dort Hemden machen zu lassen. Ich wäre für ein paar Adressen in Mailand, wie in meiner Umgebung Bonn, sehr dankbar.
U. weil der Teufel immer auf den größten Haufen scheisst, hat die WG Waschmaschine vergangene
Woche 7 Hemden „gefressen“. Ich fliege heute nach ohne ein einziges verbleibendes Hemd in den Urlaub nach Ibiza. Auch was Ibiza betrifft bin ich wirklich sehr dankbar für brauchbare Adressen.

Fassen wir zusammen. Ich brauch 4-5 Hemden u. hab´keine Kohle um 200 Euro/Hemd auszugeben (Bin 21 Jahre alt u. im Studium). Boss & Co kommen nicht in Frage. Ich hab´mir die Hemden angesehen u. die Hemden sind scheisse (billige Manschetten u. der Stoff ist auch kein Bringer).
Und ich brauche ein paar brauchbare Adressen in Mailand/Bonn/Ibiza

16. Mai 2014

Ist die Mütze der neue Bart?

by G. B.

Die aktuelle politisch-korrekte Diskussion dreht sich ja eher um bärtige MännerInnen in Damenkleidern. Grund genug, uns um ein ebenfalls komplexes stillistisches Thema zu kümmern – die richtige Kopfdeckung. Und zwar die von Männern, die sich in Ihrer Geschlechterrolle noch wohl fühlen. Anlaß zu diese Betrachtung geben uns die Filmfestspiele in Cannes. Im Bild (oder besser nicht ganz im Bilde) der Regisseur Oliver Dahan

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Vermutlich hat er sich beim Aufschrauben der Kopfbedeckung so gesehen:

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Wirkt ab eher so:

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Deutsche Herren sind ja mützenmässig gewarnt:

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Wir sind der Überzeugung, dass die Sinnhaftigkeit der Kopfbeckung entweder zum Schutz (Sonnenhut, Tropenhelm, Motorradhelm, Stahlhelm) aus religiösen Gründen, Tradition oder als Zeichen der Autorität nicht zur Diskussion steht. Bei Schiebemützen-Hippstern, Panamahutträgern in Berlin oder Baseballkappen-Sportsmännern hingegen sind Zweifel stets angebracht. Elegante Hutträger sind seit den Tagen unserer Großväter aus dem Straßenbild verschwunden, die Kopfbedeckung verkommt zum “Statement” – und hier sehen wir überwiegend Antworten auf Fragen die niemand gestellt hat. Schön wäre es auch, wenn die modisch kopfbedeckten ihre jeweiligen Deckel beim Betreten von geschlossenen Räumen abnehmen würden. Manche hätten sie besser nie aufgesetzt.

 

5. Mai 2014

Finaest – wenn der DHL-Mann zweimal klingelt

by G. B.

Miserocchi

Während der deutschen Einzelhandel für Herrenbekleidung offline so vor sich hin existiert und wortreich seine Lage beklagt, gehen nicht nur viele Hersteller mit eigenen Shops online, sondern immer mehr Online-Händler mit spannenden und gut gemachten Produkten (uns) bekannter Hersteller erweitern das sartoriale Angebot.

 

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Uns gefällt hier Finaest sehr gut, neben einigem überflüssigen Gentleman-Accessoires-Chi-Chi gibt es beispielsweise die klassischen Mokassins von Miserocchi, eine gute Hemdenauswahl – unter anderem mit einer sehr schönen „Edition“ von Cordone und Hemden aus dem Hause Santillo. Die Betreiber des Webshops haben sich sowohl auf traditionsreiche Hersteller wie auch auf junge italienische Designer spezialisiert und liefern zu den Produkten auch Informationen zum Hersteller. Finaest bietet für Herren einige gut gemachte Produkte kleiner Hersteller, die wir im Handel gar nicht mehr finden, da der sich zunehmend hinter einem langweiligen Allerwelts-Angebot versteckt.

Die Preise bei Finaest sind sehr ordentlich kalkuliert und innerhalb von Europa verzichtet man auch auf Versandkosten.

28. April 2014

Aus der Serie “Vergessene Anhänger”

by G. B.

7. April 2014

Sieben auf einen Streich – Fragen an Christian Böhne

by G. B.

Stilikone: Alexander Graf zu Schönburg Glauchau, trägt Tweed und Cord mit der gleichen freiherrlichen Selbstverständlichkeit wie Smoking.

Anzüge sind … gerne gesehen: die schmale englische Linie aus den besten James/Sean Bond/Connery – Jahren, idealerweise kombiniert mit den Schuhen des JB Daniel Craig von heute.

Lieblingsaccessoire: Es bleiben: Uhr, Ring, Schlüsselanhänger, Geldkartenetui, Gürtel, in schön und guter Qualität.

Männer brauchen … eine gute Frau mit guter Brille und einen besten Freund.

Ich kaufe gerne … gebundene Bücher, immer lesenswert: “Ausgegeizt!” von Uli Burchardt.

Deutsche Männer sind … bisweilen zu ängstlich oder zu euphorisch in der Zusammenstellung ihrer Gesamterscheinung.

Frauen sollten … nicht die Stilfestigung ihres Partners durch “fashionistische” Einwürfe schwächen.

 

Christian Böhne ist Inhaber der gleichnamigen Schuhhandlung im Schloß Salem. Das Unternehmen wurde 1898 in Salem-Stefansfeld von Peter Böhne als Schuhmacherei gegründet und über zwei weitere Generation und die nächsten 100 Jahre zu einem traditionellen Familienschuhhaus weiterentwickelt. Seit 1997, mittlerweile in der vierten Generation, hat man sich wieder auf den gehobenen Schuhhandels konzentriert. Vermutlich ist das Schuhhaus das einzige seiner Art, das in einem Schloß residiert – nämlich im Marstallgebäude auf Schloss Salem.

1. April 2014

Mes Chaussettes Rouge – Strümpfe aus dem Netz

by G. B.

Wir haben uns vergangene Woche ein wenig im Internetz umgesehen und da ist uns doch der sehr gut gemachte Online-Shop des Strumpfspezialisten “Mes Chaussettes Rouges” ins Auge gefallen. Reine Strumpfgeschäfte sind ja in unseren Breitengarden ausgestorben, Strümpfe finden wir heute nur auf Nachfrage in Schubladen bei Herrenausstattern oder in dem einen oder anderen Kaufhaus. Gleichwohl ist der Strumpf  nach unserer Meinung ein zu wichtiger Bestandteil der Garderobe als das er so ein unbeachtetes Schubladendasein führen sollte.

Also dann eben online zum Spezialisten: Ohne großes Zögern haben wir uns  zwei Paar bestellt.  Der rote “Klassiker” von Gammarelli und ein Paar von Mazarin kamen wenige Tage nach des Bestelltung in einem feinen roten Säckchen aufbewahrt und in Seidenpapier eingeschlagen direkt ins Haus.

Neben einer sehr großen Auswahl wirklich interessanter Strümpfe, u.a. auch von eher alltäglichen Produzenten Bresciani und Gallo, ist es vor allem der schnelle und freundliche Service (wir hatten ein kompetentes Telefonat einen sehr angenehmen E-Mail Verkehr) und eine  faire Preisgestaltung, die uns sehr gut gefallen haben. Die Materialauswahl ist ebenfalls beeindruckend, von Baumwolle über Seide bis zu Vikunja (schlappe 520 Euro das Paar) bietet “Mes Chaussettes Rouges” einfach alles, was saisonal oder anlaßbezogen an den Fuß gehört.

26. März 2014

Sanitillo 1970 – Fortsetzung

by G. B.

Wie versprochen, hier noch ein paar Informationen zu Santillo 1970. Die Wurzeln des 1970 gegründeten Unternehmens reichen bis zur kleinen Hemdenmacherei, die ab 1945 von der Großmutter in Neapel betrieben wurde. Bis heute ist die Familie Santillo (Mutter Angela, Vater Giovanni und die Geschwister Annaluve, Saverio und Gennaro) in dem Betrieb – unterstützt von vier Angestellten – tätig. Die Hemden der Santillos, übrigens auch in der RTW Version mit viel Handarbeit produziert, werden durch die  Herstellung von Maßhemden und neuerdings auch Maßanzügen ergänzt. Die Santillos unterhalten einen Showroom in Mailand, werden von ein paar wenigen Boutiquen geführt und sind aber sonst auf der ganzen Welt unterwegs, um Kunden die entsprechenden Stücke anzupassen. Wir haben noch ein nettes Interview mit Gennaro Santillo in dem Blog “The Bespoke Dudes” gefunden.

 

 

19. März 2014

Santillo 1970

by G. B.

Zur verbesserten Unterhaltung der geneigten Leserschaft sind wir derzeit auf Entdeckungsreise – im deutschen Einzelhandel ja leider eher ein Kurztrip – daher auch mit Blick auf  interessante Produkte von taperferen Schneiderlein aus dem Land, wo die Zitronen blühn. Aufgefallen ist uns Santillo 1970. Die Brüder Santillo bieten in ihrem Familienbetrieb interessante handgemachte Hemden zu ebenso interessanten Preisen. Dazu in den nächsten Tagen mehr.

 

5. März 2014

Croots II

by G. B.

Über Croots hatten wir ja mit feundlicher Unterstützung von Amtraq schon einmal berichtet, daher heute ein paar Bilder aus der neuesten Kollektion:

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