11. November 2015

Julius Seyler – der mit dem Pinsel tanzt

by G. B.

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„Farben. Kunst. Indianer. Der Münchner Impressionist Julius Seyler bei den Blackfeet“ unter diesem Titel zeigt das Museum Fünf Kontinente in der bayerischen Landeshauptstadt ab 13. November 2015 eine sehr sehenswerte Sonderausstellung.

Der Münchner Impressionist Julius Seyler (1873–1955) ist einer der bedeutendsten Indianermaler, die Jahre 1913 und 1914 verbrachte er in Wisconsin bei den Blackfeet‐Indianern. Die dort entstandenen Skizzen und Bilder zeigen Portraits, Reiterkrieger, typische Prärie‐ und Plainslandschaften oder Büffeljagden.

Der Bayer Julius Seyler in der Tracht der Blackfeet Indianer

Der Bayer Julius Seyler in der Tracht der Blackfeet Indianer

Allerdings spiegeln diese vermeintlichen Momentaufnahmen nicht immer die ganze Wahrheit: Denn Seyler idealisierte das Leben der Blackfeet, die zu seiner Zeit längst in Reservaten lebten. Zum Modellsitzen im Malatelier mussten sie erst ihre „traditionelle indianische“ Kleidung anlegen. Dennoch zeigen Seylers Bilder das Selbstverständnis und Selbstbewusstsein der Blackfeet auf besondere Weise. Seine zeitweilig an japanische Kalligraphie erinnernde Technik lässt Figuren und Landschaften lebendig werden und wird so der ruhelosen Lebensweise der ehemals durch große Weiten ziehenden Plains‐Indianer gerecht.

Julius_SeylerSeyler, der während des zweiten Weltkriegs in Hirschau am Chiemsee lebte und arbeitete, war auch als Persönlichkeit ziemlich einzigartig. Der erfolgreiche Sportler, der schon als Kind auf dem Kleinhesseloher See trainiert hat, gewann internationale Wettbewerbe im Eisschnellauf.

Zudem war er ein musisches Allroundtalent, spielte Klavier, Gitarre und Mundharmonika. Während seiner Gymnasialzeit fiel Seyler durch Lehrer‐Karikaturen auf. „Mein Zeichenlehrer war nicht sehr erbaut über meine Freiübungen. Aber er nahms mehr mit Humor und begriff vielleicht im Stillen, dass mir die faden Gipsköpfe bald zu langweilig waren“, schriebt er in einem Brief. Nach dem Abitur soll er die Offizierslaufbahn einschlagen, flieht jedoch aus der Kadettenanstalt und beschließt Maler zu werden.

 

Die Ausstellung im Museum Fünf Kontinente kombiniert Gemälde von Julius Seyler mit von ihm aufgenommenen Fotografien und indianischen Objekten aus den Beständen der Nordamerika‐Sammlung des Museums. Leihgaben aus bedeutenden privaten und öffentlichen Sammlungen ergänzen die Präsentation. Eine neue Filmdokumentation zu Leben und Werk Julius Seylers ist ebenfalls integriert. Ein Indianer‐Tipi zum Erkunden rundet die Präsentation ab und macht großen und kleinen Großstadt-Indianern Freude.

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