18. Oktober 2015

Im Gespräch mit Wolfgang Jarnach

by G. B.

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Die Marke w’lfg’ng steht für funktionale Outdoor Bekleidung mit einem Schwerpunkt auf Jacken aus traditionellen und technischen Performance-Stoffen, sowie Daunenjacken. Wolfgang (w’lfg’ng) ist ein typisch deutscher Name und nicht in andere Sprachen zu übersetzen. Für die Marke wurde er gewählt, um damit Verwurzlung und Inspiration durch die Heimat im Voralpenland zu unterstreichen und diese einem internationalen Publikum zu präsentieren. Hinter der Marke stehen neben Designer Wolfgang Jarnach seine Frau, sein Bruder und sein Onkel, der sich seit über 20 Jahren um die Produktion von hochwertiger Bekleidung in Fernost kümmert.

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Wie sind Sie zur Mode gekommen?

Da ich keine Stelle für eine Schneiderausbildung bekommen konnte, habe ich begonnen in München Modedesign zu studieren. Nach meinem Diplom wurde ich nach London eingeladen, wo ich beim Chef-Designer von Timberland meinen Master an der Kingston University absolvierte. London hat mich so sehr fasziniert, dass ich dort blieb um für Bands wie Florence and the Machine oder The XX die Tour-Outfits zu entwerfen. Zurück in der Heimat widme ich mich jetzt den Outdoor Jacken.

Was fasziniert Sie an der Branche?

An der Branche selbst fasziniert mich nichts. Aber das Produkt ist interessant. Bekleidung betrifft jeden, auch wenn man nicht modeinteressiert ist – wir alle beschäftigen uns jeden Tag damit. Sie schützt uns vor Kälte, Witterung und fremden Blicken. Außerdem drückt sie viel über uns aus, weil wir sie selbst und frei wählen. Auch die Tatsache, dass alle mit dem Blick in die Vergangenheit versuchen ständig neues zu schaffen und bestehende Dinge fortwährend zu verbessern, finde ich bemerkenswert.

Was inspiriert Sie?

Meine Umgebung; das sind Dinge des alltäglichen Lebens und vor allem Personen denen ich begegne und die Gespräche die ich mit ihnen führe.

 Was wollen Sie anders oder gar besser machen?

Wenn ich das heute wüsste, würde ich es morgen umsetzen und dann könnte ich übermorgen aufhören. Das will ich aber nicht.

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Was zeichnet Ihre Kollektion aus?

Wir versuchen Dinge zu machen, die man gerne anzieht, weil man sich darin wohl fühlt. Dinge, die einen warm halten und vor dem Wetter schützen, aber nicht wie Sport-Bekleidung aussehen. Wir wollen, dass der Träger vernünftig gekleidet ist, aber dabei nicht auf die Funktion verzichten muss. Im Grunde ist es die Stadtjacke mit den Anforderungen an Bergbekleidung.

Warum gerade Outerwear?

Wir haben einen jagdlich ausgebildeten Hund und ich liebe es mit ihm im Regen draußen zu sein. Ich bin fasziniert von dem was die Natur uns bietet. Bei uns gibt es echte Jahreszeiten, die alle ihren Reiz haben. Es ist toll im Sommer im See baden zu können und im windigen Herbst durch das Laub zu stapfen. Der Schnee im Winter bringt ein neues Bild, dann bin ich in den Bergen. Wenn man viel draußen ist, beschäftigt man sich damit was man dabei anziehen möchte.

 Jenseits der Woolrich und Monclair Produkte, die ihre Träger meist wie adipöse Mumien aussehen lassen, gibt es sicher einen Markt für elegante und funktionale Bekleidung. Wie wollen Sie gegen die hier operierenden Global-Brands erfolgreich existieren?

Ich glaube nicht, dass wir gegen sie existieren müssen. Sie existieren und wir eben auch. Vielleicht sind es andere Kunden, vielleicht sind es andere Materialien und Formen. Eigentlich versuchen wir nur ein Produkt zu entwerfen, dass wir selbst gerne tragen und hoffen, dass es andere eben auch tun.

 Welche Ideen und Konzepte liegen Ihren Entwürfen zugrunde?

Die aktuelle Kollektion ist nach einer Amerikareise entstanden, als wir in New Mexico eine Kunst Installation von Walter de Maria besucht haben. Das so genannte Lightning Field befindet sich auf einer Hochebene irgendwo in der Steppe von New Mexico. Es darf nur von maximal sechs Personen gleichzeitig besucht werden, die gemeinsam in einer Blockhütte übernachten. Morgens beim Sonnenaufgang, wenn man bis zum Horizont nichts anderes als hunderte von reflektierenden Stäben sieht, bekommt man ein neues Gefühl für Raum und Distanz. Wir haben zwei Nächte und einen gesamten Tag dort verbracht. Auch wenn die Mittagshitze so unerträglich ist, dass man es kaum von einem Stab zum nächsten schafft kühlt es in der Nacht extrem ab. Die Temperaturschwankung ist zu vergleichen mit Hochsommer und eisigem Winter bei uns. Irgendwie hat es dennoch an einen Hütten-Aufenthalt in den Alpen erinnert.

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 Welche Materialien verwenden Sie. Warum? Und woher kommen die?

Wir verwenden aktuell vornehmlich Loden von österreichischen Traditions-Webereien, wie Leichtfried und Loden Steiner. Ein Parka ist zum Beispiel aus Schurwolle, mit 20% Alpaka-Anteil gefertigt. Der Alpaka macht den Oberstoff besonders strapazierfähig. Loden ist auf natürliche Weise wasserabweisend und atmungsaktiv. Zusätzlich haben wir ihn mit einer Imprägnierung ausrüsten lassen, die den Stoff noch schmutzabweisender macht, so dass Wasser richtig abperlt. Einer unserer Stoffe aus Großbritannien ist mit Bienenwachs getränkt, was ihn perfekt gegen Regen ausrüstet und gleichzeitig eine interessante Struktur hat.

Klingt toll, aber warum lassen Sie in China produzieren?

Mein Onkel, der in Hong Kong wohnt, kümmert sich um unsere Produktion, was es uns ermöglicht technische Dinge umzusetzen, die wir woanders nicht so leicht machen könnten. Da wir in den eigenen Fabriken fertigen sind wir sozusagen gleichzeitig Marke, Entwicklung und Produzenten. Somit wissen wir genau wer zu welchen Bedingungen und mit welcher Qualität bei uns arbeitet. Das wirkt sich positiv auf das Produkt aus, bedeutet aber auch, dass wir keine schlaflosen Nächte oder schlechtes Gewissen haben müssen. Der Preis ist kein Argument. Es ist möglich im Mittelmeerraum deutlich günstiger zu produzieren. Die Frage ist nur mit welcher Qualität und vor allem zu welchen Bedingungen.

Wo kann man Ihre Kollektion sehen und kaufen?

Im Moment gibt es die Sachen in ein paar ausgewählten Läden in Deutschland, Österreich und der Schweiz. So zum Beispiel bei Ralf’s Fine Garments in München, oder Ecke 32 in Konstanz.

Was kommt als nächstes?

Hoffentlich ein schneereicher Winter.

Haben Sie ein stilistisches Vorbild?

Nicht ein einzelnes, das ich konkret benennen könnte. Außer vielleicht meine Labrador Hündin – sie ist immer elegant in schwarz gekleidet.

 Was raten Sie dem deutschen Mann?

Geh nach draußen!

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