28. September 2010

Ein Mann, ein Trend

by G. B.

In der Welt lesen wir unter dem Titel „Echte Kerle“ mal wieder etwas zum „Neuen Mann“ – ein Thema, das sich als eine Art Trend-Zombie, mal so, mal anders, durch die Medien schleppt. Erwähnenswert sind hier die „Experten“, die den „neuen“ Mann als eine Mischung aus Bauarbeiter/Holzfäller/Rocker/Dandy ausmachen.

Trendforscher, Soziologen, das Deutsche Mode-Institut und ein Stilberater schwadronieren hier in herrlichen Allgemeinplätzen. Beim Trendforscher ist der Bart (und nicht der Pipimann) das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zwischen Mann und Frau, in Kelkheim wird die Mode als Indikator für die klassische Männlichkeit erkannt,  DIM hat auch schon gemerkt, dass metrosexuelle Männer kein Thema mehr sind (falls sie je eines waren) und Herr Rose, über den Umberto Ecco nie schrieb, erkennt den Norweger-Pulli als Zeichen rebellischer Männlichkeit.

Wir zitieren:

„Nach der Gleichmachung der Geschlechter sehnt man sich jetzt wieder nach einer Unterscheidbarkeit“, erklärt der Trendforscher Peter Wippermann aus Hamburg das Phänomen. Die virtuelle Welt, in der wir zunehmend lebten, verlange nach Klarheit und Symbolkraft.

„In Deutschland herrscht inzwischen ein sehr heterogenes Männerbild“, beobachtet Christian Rauch vom Zukunftsinstitut in Kelkheim bei Frankfurt/Main. Zwar sollten die Männer immer noch jegliche männlichen wie auch weibliche Attribute aufweisen, doch insgesamt gehe die feminisierte Form durchaus ein wenig zurück. „Die Ansprüche werden nicht mehr ganz so platt formuliert, auch wenn die Männer noch dem Motto ‘hart im Job – weich in der Liebe’ entsprechen sollen.“ Und doch ist auch wieder klassische Männlichkeit gefragt. „Und da ist die Mode oft ein sehr früher, wenn auch nicht immer dauerhafter Indikator“, führt der Soziologe aus.

„Die Mode für den nächsten Herbst/Winter erklärt kernige Maskulinität zu ihrem Ideal, umschreibt das Deutsche Mode-Institut (DMI) in Köln den neuen Trend. „Es wird wieder ein Typ zum Anpacken gesucht, so wie früher“, sagt die DMI-Trendexpertin Elke Giese. In den Lookbooks und Anzeigen sei zu beobachten, dass der metrosexuelle Typ mit lackierten Nägeln nicht mehr „in“ ist“.

„Karohemd, lässige Jeans, grobe Norweger-Pullis, Strickmütze und Parka – kurzum der Outdoor-Look ist wieder stark angesagt“, erklärt der Modeberater Andreas Rose aus Frankfurt. Gleichzeitig macht er deutliche Anleihen an den Military-Look aus: Schulterklappen, Cargohosen, Khakis. Bei aller rebellischen Männlichkeit dürfen bei vielen Kerlen jedoch auch die Anzüge im Kleiderschrank nicht fehlen. „Dezente, gerne maßgeschneiderte Modelle mit der Eleganz der 30er Jahre liegen da im Trend“, sagt Rose. Die nötige Note Extravaganz bringen Kroko, Kamelhaar, Pelze und natürlich Cashmere.

„Maskuline Rustikalität lautet das Stichwort, und da darf der Bart nicht fehlen. Wippermann wundert das nicht: „Das ist das urtypische Männersymbol, das den Mann von der Frau unterscheidet.“

„Da ist eine Weiterentwicklung zu beobachten“, sagt Soziologe Rauch. Haben lange nur die Männer die Frauen als hübsches Objekt betrachtet, stellten die Frauen eine Zeitlang den gleichen Anspruch an die Männer. „Das aber hat sich nun wieder normalisiert.“

3 Kommentare zu “Ein Mann, ein Trend”

  1. Nun ja, auch die Trend- und Zukunftsforscher müssen von irgendetwas leben, aber “maskuline Rustikalität”?!? Klingt wie Opa. Und wenn der Maßanzug dann trotz Holzfellerhemd auch noch im Schrank hängt, ist “der Mann” wohl doch nicht so typisierbar oder halten sich die “Forscher” hier ein Hintertürchen offen? Wird man für solche Artikel eigentlich bezahlt?

  2. Auch die Zukunftsforscher sollten sich nicht davor verschließen, dass die Soziologie nicht mehr von “der einen” Männlichkeit spricht, sondern von unterschiedlichen Männlichkeiten (in unterschiedlichen Epochen und Kulturen). Der Klassiker dazu ist “Der gemachte Mann” von Robert Connell, zuletzt hat Peter Jedlicka versucht, dieses Konzept auch in der Psychologischen Beratung zu verankern (Buch Männercoaching).

    F. Zurhorst

  3. “kernige Maskulinität” und ähnliche Phrasen; das ist reines Modegeblubbere. Echter Stil sollte sich an dem ausrichten, was man zu bieten hat, bei einem echten Sesselfurzer hilft da auch der gröbste Norweger nicht, da sollte man in stiller Selbsterkenntnis andere Wege beschreiten als optische Aufrüstung mit untauglichen Mitteln. Was sagt eigentlich mein alter Freund Edelardo zu diesen grenzdebilen Absonderungen? Befindet sich das Slow Wear Team jetzt auf schleimgespurten Mainstreamkurs?

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