23. April 2010
Glänzend: Herr E. schreibt eine Mail
Liebe Freunde,
im Slow-Wear Postkasten ist heute eine Mail von Herrn E. angekommen. E. ist Schuhcreme-Consultant und richtet regelmäßig Seminare zum Thema Schuhputz aus. Für wie überflüssig wir diese Form des Hochglanz-Pflege-Haltbarkeits-Wasserpolitur–Fetischismus halten, bedarf keiner weiteren Erläuterung. Aber jetzt kommt’s: E. schickt seine Mail an einige hundert Adressen, die selbstverständlich für jeden sichtbar sind.
Ha, soweit so schlecht, im laufe einer hitzigen Debatte unter den so angemailten wird offenbar, dass Herr E. diese Adressen „versehentlich“ aus einem Verteiler von Herrn P. – der seine Email-Technik auch nicht so richtig im Griff hat – kopiert hat. Und nun schreibt jeder Schuh-Spanner aus dem Verteiler – cc an alle – dass es natürlich nicht länger in diesem Verteiler sein möchte. Es melden sich Gelehrte – hier Juristen – und drohen E./P. gar mit Klage. Das Ergebnis: aus einer Mail werden gefühlte 500 und mehr neue Mails. Aber Hauptsache der Schuhglanz stimmt. Dieses Waterloo nehmen wir zum Anlass, uns demnächst die Online-Präsenzen und Strategien -so vorhanden – unser Einzelhändler genauer anzusehen.
Euer Edelardo

Nach gefühlten 50 verwirrten Mails scheint der Chat nun ein Ende genommen zu haben – aber wir wollen den Tag mal nicht vor dem Abend loben…
Da ich auch zu den Betroffenen zähle, erlaube ich mir zu bemerken, dass Hern P., wenn er auch versehentlich seinen ganzen Verteiler in “CC” sichtbar gemacht hat, sicher nicht anzulasten ist, dass andere dies ausnutzen. Schade, dass jeder noch so kleine Fauxpas derart unbarmherzig geahndet wird, so als ob ein unerwünschtes E-Mail einen unermesslichen Schaden hervorrufen würde. Die Löschtaste zu bedienen ist kein Staatsakt. Bedauerlich finde ich es zudem für Herrn P., da er es nicht verdient hat, in Misskredit gebracht zu werden. Ich habe ihn in den letzten Wochen persönlich kennen und als wirklich großzügigen Gentleman schätzen gelernt. Wer italienische Kleidung schätzt, dem steht auch in anderen Fragen des Lebens etwas mehr “leggerezza” und weniger deutsche Verbissenheit gut zu Gesicht.
Absolut, Herr P. ist ein wirklich angenehmer Zeitgenosse, der jetzt der eigentlich Geschädigte durch Hern E. ist, aber etwas anderes hat Edelardo ja auch nicht geschrieben. Trotzdem sollte der Umgang mit Mails auch einer gewissen Stilsicherheit unterliegen, “legerezza” ist hier weniger gefragt, pochezza schon.