14. Mai 2009
Arriverdici Capalbio
Todesfall in der Slow-Wear-Familie. Der Traditionsbetrieb Cabalbio wurde offenbar von seiner Mutter „Belstaff” (die ihn erst vor einigen Jahren aus Privatbesitz übernommen hatte) sang- und klanglos beerdigt. Alle Versuche, bei der so genannten Pressestelle von Belstaff dazu Informationen zu bekommen, sind gescheitert. Wieder einmal haben Label-Fritzen ein schönes Unternehmen nicht verstanden, gestreamlined und dann zugeschlossen.
Aber was kann man auch von Belstaff groß erwarten, außer Event-Marketing passiert hier ja nix, klar, dass für Capalbio hier kein Platz war. Wer Informationen zum Schicksal von Capalbio hat, meldet sich bei den Hinterbliebenen, aus Sentimentalität lassen wir den Link zur (abgeschalteten) Website da, wo er immer war.
Von Beileidsbekundungen bitten wir abzusehen, es ist aber im Sinne des Gemeuchelten, eine großzügige Spende von Belstaff-Jacken an das Deutsche Rote Kreuz zu geben.
Hier zur Erinnerung ein Text, den Belstaff zu Capalbio veröffentlich hat:
Capalbio
A company which has relaunched the tradition of clothing in the regions of Tuscany and the Maremma. Established in the 1940s as a small factory with the corporate name of Confezioni Tre Torri di Roccasarda, it soon specialized in the manufacture of classic Tuscan jackets. The tradition of Tuscan clothing dates back to the early 1800s. Farmers and noblemen would wear a particular type of jacket that had large side, back, and inside pockets, which were very useful when out in the country or hunting. Jackets for farmers were mainly made from locally-produced fustian and velvet. Those for the rich, however, would use the most precious English and French velvets or moleskin fustian, in addition to Irish tweed and Scottish chevoir, which are often custom made. Very well known is the tweed of the Gherardesca family, made in the colors of their coat of arms. By resuming the manufacture of this historical clothing and adapting it to the present day, the Clothing Company, which produces the Capalbio brand, also attends to its preservation. In the 1990s, annual production reached 120,000 pieces, respecting the tradition but also paying particular attention to the ecologic aspects. The brand has been relaunched, and is now protected, by the Global World Foundation, a non-profit association whose president is Count Gaddo della Gherardesca and whose purpose is the defense of the traditions of the Maremma.

Tja, so wird es eben immer laufen…Gott sei Dank habe ich Belstaff bisher gemieden. Ich möchte nicht die gleiche Jacke tragen wie der halbe FC Bayern.
Und vielleicht ist es auch besser so, als dass die Marketingheinis aus dem Hersteller ein Modelabel gemacht hätten, das es dann irgendwann in der hippen Ecke von P&C gegeben hätte. Da ist der Tod doch die bessere Alternative, weil das Leid erspart wurde.
Die Welt-Masse-Kunden wollen es augenscheinlich nicht anders:
Stil, Qualität und Tradition gepaart mit einem Schuß Moderne sind für die meisten Fremdwörter. Die Belstaff-Show geht weiter – die Capalbio-Tradition wird begraben. Suche nach den “Schuldigen” – sicher auch die Distributeure, denen schnelles Geldverdienen das wichtigste ist.
mein würde meinen, dass sich innerhalb der branche jemand findet, der zumindest die markenrecht erwirbt. da wird um incotex eine teure gruppe zusammengekauft und investoren zahlen gutes geld für eine minderheitsbeteiligung an roda und capalbio wird einfach so beerdigt ? selbst hier bei uns zahlt ahlers ein nettes sümmchen für die marke baldessarini (große produktionsstätten wird man da wohl nicht zu übernehmen gehabt haben, wurde ja eh alles bei caruso und co. produziert….)
will denn in italien keiner mehr ein paar euro in die hand nehmen für eine zumindest bei insidern einigermaßen eingeführte firma ? klar, dass man mit blender- und aufschneidermarken wir belstaff, la martina und co. sehr viel schneller kohle machen kann, aber wenn firmen wie boglioli und waterville reüssieren können, dann müßte doch auch für capalbio noch irgendwo ein plätzchen zu finden sein….
schade… glucklich gibt’s auch noch “the slack jacket” http://www.jkeydge.com/1.aspx
Ein Grauen.. das nur von kommenden “shareholder-value-droven” übertroffen werden wird.
Die Leute von Capalbio hatten Schnitte und Materialien…, die der Connaisseur wohl so nicht wieder finden wird. Bitter, bitter, bitter.
Was bleibt ist ein Vergessens- erweitender Martini (Geschüttelt natürlich) und der dezente Hinweis auf kleine Läden wir Conrad Hasselbach in Hamburg oder auch Ladage und Oelke (ebda), die Willens und in der Lage sind, auch das Extravagante zu organsieren – oder es gar vor halten.
Sehenswert für die Suchenden (und jagenden – also authentsichen “Out-dooristen”) unter den Stilisten sicher auch das kleine aber feine Bekleidungs-Sortiment einer Hamburger Büchsenmacherei Namens Andreas Kreidel im feinen Blankenese (da wo die Leute im Winter fleur de sel streuen)….