19. November 2008
Service für die Füße!
Liebe Freunde,
Slow-Wear ist dazu da, interessierte Menschen über Produkte, Händler und Hersteller zu informieren, deren Qualität und Anspruch immer noch weit jenseits des Label-Konformismus liegen. Wir loben und preisen jeden, der sich bei der Herstellung seiner Produkte Mühe gibt, dem Fachhandel treu ist und seine Kunden mit guter Qualität erfreut. Wer sich allerdings von diesem Pfad der Tugend entfernt, kriegt es mit mir zu tun.
Und so möchte ich euch heute über einen Schuhmacher berichten, der uns gleich mehrfach negativ aufgefallen ist. Sein Name: Saint Crispin´s. Es ist offenbar so, dass Saint Crispin´s gerne Direktgeschäfte mit Kunden macht, die man im Rahmen von Veranstaltungen bei Fachhändlern kennengelernt hat - so verschafft sich der Schuster die doppelte Marge und der Fachhändler hat keinen Umsatz.
So weit so schlecht, allerdings passiert bei Saint Crispin´s noch mehr: Einer unserer Partner bestellte gleich mehrere Schuhe (direkt) bei Saint Crispin´s. Nachdem klar war, dass der Händler - über den der Kontakt zustande kam – aus diesem Geschäft herausgelassen wurde, wollte er die Ware nicht annehmen. Zudem wurde während der Wartezeit auf die Schuhe die Rechnung gleich erhöht – was beim Schuhkauf so eher selten vorkommt.
Auch ist der (uns vorliegende) Schriftverkehr mit dem Kunden von einem rüden Ton und wenig Dienstleistungsmentalität geprägt – was vielleicht auf das raue transsilvanische Klima zurückzuführen ist. Obwohl kein Wunsch mehr nach den Schuhen bestand, wurden sie unverlangt per Post (Porto extra!) geliefert und trotz mehrmaliger Aufforderung bis heute nicht mehr abgeholt. Als zusätzlichen Service hat Saint Crispin´s den Kunden jetzt auf Bezahlung der unverlangt gelieferten Schuhe verklagt. Über den Ausgang des „Prozesses” werden wir berichten.
Wir wollten natürlich Michael Rollig von Saint Crispin´s zu diesem Vorfall zu Wort kommen lassen, unsere Fragen blieben aber unbeantwortet. Wir veröffentlichen sie dann eben ohne Antworten:
- Ist es richtig, dass Sie Kunden, die Sie im Rahmen von Terminen bei Ihren Händlern kennenlernen, direkt bedienen, also bei solchen Geschäften auch die übliche Handelsmarge vereinnahmen?
- Was sagen die Händler, die ja letztlich Ihre Marke bei ihren Kunden bekannt machen, zu solchen Direktgeschäften?
- Wie kalkulieren und fakturieren Sie Ihre Endgeschäfte? Ist es zutreffend, dass Sie nach einer Bestellung die vereinbarten Preise noch um die Mehrwertsteuer erhöhen?
- Schicken Sie Waren unverlangt ins Haus – auch wenn der Kunde kein Interesse mehr an Ihren Produkten hat?
- Wie halten Sie es mit dem Rückgaberecht des Kunden, wenn die Ware nicht seinen Erwartungen entspricht?
- Führen Probleme mit Kunden bei Ihnen häufig zu gerichtlichen Auseinandersetzungen?
- Aus uns vorliegenden Mails Ihres Mitarbeiters Herr Car weht ein recht barscher und im feinen Dienstleitungsgewerbe eher unüblicher Ton. Wie schulen Sie Mitarbeiter mit Kundenkontakt?
- Wie reagieren Sie bei Reklamationen? Uns wurde erzählt, Sie würden bei Qualitätsmängeln jede Verantwortung ablehnen, so sei es Ihnen nicht gelungen, spezielle und mangelhafte Schnürsenkel innerhalb eines Jahres zu ersetzen.
- Rumänien – das Land in dem Ihre Schuhe produziert werden – hat ja eine große Schuhmachertradition. Die dort von Ihnen beschäftigen Mitarbeiter verdienen aber angeblich unter 500 Euro im Monat, angesichts der Preise Ihrer Schuhe ein recht geringes Entgelt. Wie sehen Sie das?
- Inwieweit benötigen Sie bei der Schuhproduktion „Entwicklungshilfe” vom Aachener Schuhmacher Dieter Kuckelkorn?
Euer Edelardo
Schlagwörter:Edelardo Feinolini, Michael Rollig, Saint Crispin´s

“Wir loben und preisen jeden, der sich bei der Herstellung seiner Produkte Mühe gibt, dem Fachhandel treu ist und seine Kunden mit guter Qualität erfreut.”
Unabhängig von dem Fall St. Crispin – was spricht denn prinzipiell gegen einen Direktvertrieb? Ein sogenannter Fachhändler ist dieser Bezeichnung oft nicht würdig und warum soll ich als Kunde einen doppelt so hohen Preisbezahlen, wenn die Serviceleistung des “Fachhändlers” einfach schlecht ist? Sicher, es gibt in Deutschland noch eine kleine Zahl von Herrenausstattern bei denen Service großgeschrieben wird – aber jeder Kunde sollte sich selbst überlegen, wieviel er für seine Produkte bezahlt. Sicherlich ist dabei jedoch in meinen Augen ein Kundenverhalten zu verurteilen wenn z.B. bei einem Fachhändler Konfektionsware anprobiert wird und schließlich das passende Produkt direkt bezogen wird. Wer die Vorteile eines Händlers in Anspruch nimmt, sollte den Nachteil des höheren Preises in Kauf nehmen.
Im hier dargestellten Fall ist es meines Erachtens auch vom Hersteller nicht korrekt Kunden, die man durch den Händler kennengelernt hat, zu übergehen – und das unabhängig davon ob man nun einen Rabatt gewährt oder nicht.
Andererseits sollte sich auch der Fachhändler seine Gedanken darüber machen weshalb er denn überhaupt solche Produkte anbietet. Das Innenleben eines St. Crispin Schuhs wurde z.B. hier untersucht:
http://www.newsaboutshoes.de/showthread.php?t=804
MfG Breitner
Korrektur: der Satz :”Im hier dargestellten Fall ist es meines Erachtens auch vom Hersteller nicht korrekt Kunden, die man durch den Händler kennengelernt hat, zu übergehen – und das unabhängig davon ob man nun einen Rabatt gewährt oder nicht.”
soll heißen:”Im hier dargestellten Fall ist es meines Erachtens auch vom Hersteller nicht korrekt Kunden direkt zu beliefern, die man durch den Händler kennengelernt hat – und das unabhängig davon ob man nun einen Rabatt gewährt oder nicht.”
Ich trage seit Jahren Saint Crispins und habe nun bereits sechs Paar. Umso mehr irritiert mich Ihr Artikel sehr, da ich nichts der hier hier angeführten Anschuldigungen bestätigen kann, ganz im Gegenteil, diese Schuhe sind für mich ein Musterbeispiel handwerklicher Perfektion.
Ihre Fragen sind gespickt mit Anspielungen und Unterstellungen, welche aus meiner Sicht mit dem geschilderten Fall nicht das Entfernteste zu tun haben. So z.B. kann ich Ihnen aus eigener Erfahrung nur bestätigen, daß auch in Rumänien marktwirtschaftliche Prinzipien herrschen die das Lohnniveau bestimmen.
Lt. Information der SC Website ist Herr Car Mitgesellschafter, die Frage der Mitarbeiterschulung erübrigt sich somit wohl auch.
Ich werde auf jeden Fall noch heute mir das Modell 116 Bootee bei meinem Händler bestellen und freue mich drauf.
MfG, P. Köck
ICh freue mich für Herrn Köck und seinen Bootee Nr. 116. Bekommt er den vielleicht umsonst, weil er bestätigt, das in Rumänien markwitschaftliche Verhältnisse herrschen? Was bedeutet denn das Herr Köck? Keck wird etwas behauptet, was im Ergebnis doch Edelardo nur bestätigt, das nämlich dort ein sehr niedriges Lohnniveau herrscht, das allerdings im Preis nicht widergegeben wird.
Zu den Schuhen: Hier kann mann geteilter Meinung sein, aber etablierte und seriöse Fachhändler wie z.B. Diehl und Diehl und andere haben immer wieder Probleme mit dem Team Rollig/Car, deren Verständnis von Kundenpflege wirklich unterirdisch ist. Da hilft auch der Hinweis nicht, das Herr Car angeblich MItgesellschafter ist, solche Leute sollte man einfach nicht auf die Kundschaft loslassen, eine Mitarbeiterschulung wäre dort sehr angebracht, aber vorher vielleicht ein Benimmkurs.
Woher kennen Sie denn St. Crispins, Senor Köck? Die Marke gibt es doch nur, weil saich einige Händler die Mühe gemacht haben, sie zu unterstützen. Aus diesem Grund sind Direktgeschäfte mies. Ich kann nur sagen, es gibt andere SChuhmanufakturen, die fairer und besser sind.
Bravo Edelardo, für mich ist St. Crispins ebenso ein Etikettenschwindel wie die großen Marken mit Ihrem MAde in Italy. Londoner Preis bei runänischen Löhnen ist schon ein starkes Stück, aber am Handel vorbei wird es zur absióluten Frechheit. Schaut Euch bei Kucklekorn, Bontnoni und anderen um, da stimmen Anspruch und Inhalt.
Lieber Edelardo!
Sie schreiben: “Einer unserer Partner bestellte gleich mehrere Schuhe direkt bei Saint Crispin´s. Nachdem klar war, daß der Händler – über den der Kontakt zustande kam – aus diesem Geschäft herausgelassen wurde, wollte er die Ware nicht annehmen.” Dazu fällt mir das geflügelte Wort ein: “Erzählen Se das ma dem Richter!”
Wäre es nicht besser, Ihr Partner bezahlte einfach die bestellten Schuhe, und dieser famose, lobenswerte Blog verbreitete endlich wieder kurzweilige Nachrichten und Meinungen aus der Welt der Herrenmode?! Denn Tiraden wie diese hinterlassen den Leser doch eher peinlich berührt.
Noch eine Redensart zum Thema: “Spiel nicht mit den Schmuddelkindern!”, warnte schon der schreibende Barde Franz Josef Degenhardt. In diesem Sinne…
Herzlich
Ihr treuer Leser Axel Felsenstein
Lieber Herr Felsenstein,
die Sache ist doch abseits der juristischen Aspekte interessant. Die werden sicher anderweitig geregelt, da haben Sie sicher recht.
Sie scheinen mir doch ein echtes Interesse an wahrem Luxus abseits der Nobelmarken zu haben. Das funktioniert aber nur, solange eine Wertschöpfungskette intakt ist. Das Duo Rollig/Car scheint mir hier eher als Totengräber zu agieren, Soweit ist es also durchaus richtig, wenn Edelardo vor diesen Schmuddelkindern warnt, oder wen haben Sie sonst gemeint?
Mit dem Richter haben Sie recht, Ma sehen, was er zu einseitigen Preiserhöhungen nach Bestelleingang meint, oder haben Sie hier auch schon fixen Rat? Darüber soll ja auch berichtet werden, ich hoffe, das dies Sie nicht zu sehr peinlich berühren wird.
Ich bin als treuer Leser zumindest nicht peinlich berührt, denn das Thema ist ja interessant und in der Branche ist ja nun auch nicht Alles zum Besten bestellt. Schaun mer mal und
Alles Gute
Warum regen sich eigentlich hier alle so auf? Wenn Edelardo schreibt, warum er einen Hersteller schlecht findet, dann ist das doch nur eine Meinungsäußerung. Die kann man gut finden oder schlecht, aber es ist besser, als immer nur scheinbar kurzweilig über Produkte zu berichten. Ein bisschen kritischer Tiefgang schadet nicht, oder?
Ich nehme mal an, den Hersteller wird das gar nicht so berühren oder gar in seiner Existenz bedrohen, wenn er in Rumänien herstellt und für 1000 Euro in Deutschland verkauft, dann ist das ja eine auskömmliche Marge und er wird Kritik sicher sehr gelassen sehen.
Er hat ja aufgrund des Artikels zumindest eine Bestellung bekommen, da sollte er sich bei Herrn Feinolini bedanken.
Welch eine deutsche Debatte. Hier versucht doch nur einer, rumänische Schuhe zu deutschen Preisen zu verkaufen und Ihr tut alle so, als müsste man lange darüber debattieren.
Non mi frega niente, kann ich nur sagen, wir sind Shlimmeres gewohnt, und das von Regierungsmitgliedern.
Kann man nicht sp etwas einfach auch ignorieren und italienische Schuhe kaufen?
Edelardo, was Du erlauben angreifen feine Schuhmacher mit transylvanische Gehilfen? Jetzt habe alle deutsche Freunde hohen Blutdruck und sind bese. Wärst Du doch in einer römischen Bar geblieben anstatt nach Düsseldorf zu gehen, Du Dussel!
bezugnehmend auf den Kommentar “zwei höher”:
Lieber Herr Grünstein,
Sie ahnten es insgeheim wohl schon, daß ich – anders als Sie mich “interpretierten” – mit den Schmuddelkindern natürlich nicht diese Schuhleute gemeint hatte, sondern die, die mich in diesem Blog mit ihren privaten Gartenzaun-Streitigkeiten behelligen. Das interessiert mich nicht.
Andererseits: ja, Sie mutmaßen richtig! Wenn an dieser Stelle nun auch noch der Fortgang dieses an Banalität nicht zu überbietenden Rechtsstreits breit gewälzt würde, fühlte ich mich erneut “peinlich berührt”.
Aber letztlich steht es mir ja gar nicht an, Ihre Clique zu maßregeln. Dies ist Ihre Site und Sie machen hier, was Ihnen gefällt. Nachdem ich mich für meinen gutgemeinten Kommentar (s.o.) sogleich verspotten lassen mußte, werde ich künftig Ihre Privatparty tunlichst auch nicht mehr stören. Versprochen.
Da Sie mich in diesem Forum als Sprücheklopfer kennen gelernt (und geoutet!) haben, möchte ich nur noch mit einem weiteren Zitat schließen. Es ist sogar authentisch, denn mein seliger Vater pflegte es immer zu sagen, wenn sein Anwalt ihm nach dem Prozeß mitteilte, die Gerechtigkeit habe obsiegt. Darauf der Vater: “Sofort Berufung einlegen!” Ich meine: Das ist der richtige Geist!
Viele Grüße (unbekannterweise) auch an Herrn Breitschnabel
AF
Lieber Herr Felsenstein,
ich habe weder eine Website, noch eine Clique.
Sie sollten an Ihren Nehmerqualitäten arbeiten, dann wird aus Ihnen noch ein ganz Grosser!
Bis dann
Ihr
PG
Ohne die Fachhändel sind wenig Produzenten introduziert. Jetzt sind auch viel rPoduzenten da, den verkaufen via Internet zum beispiel Italian Independent. Darum kauf ich ach kein It. Ind. fur mein geschaft. Lass die Leute eigene Ware verkaufen. Ich kann sagen; ich kaufe es oder ich kaufe es nicht. Aber; Wenn ich schon seit mehrere Jahren ein Produzent in mein Geschäft bekantheid gebe und diese Produzent fangt an mit die producte auch zu verkaufen an meine Kunde, dan hore ich damit gleich auf.
Ich bin in der Tat “peinlich berührt”! Welch ein geflügeltes Talent: rumänische Löhne mit deutschen Preisen zu kombinieren ist zweifelsohne ein “authentisches” Geschäftsmodell, jedoch den Kosakentanz um den beteiligten Fachhändler herum zu meistern, ist schändlich für die gute rumänische Schuhmacher-Tradition. Die rettet den armen, teuren Schuh gerade noch…
Hermann G. Jaruzelsky
Monsieur Felsenstein,
pardon! Schmuddelkinder und Gartenzaun-Streitigkeiten? Ich bin entsetzt! Und zwar sowohl als auch!
Sie schreiben: “Wäre es nicht besser, Ihr Partner bezahlte einfach die bestellten Schuhe, und dieser famose, lobenswerte Blog verbreitete endlich wieder kurzweilige Nachrichten und Meinungen aus der Welt der Herrenmode?!”
Wenn kurzweilige, bourgeoise Nachrichten alleiniger Anspruch an die journalistische Qualität dieser Seite sein sollen, dann ist schlecht um uns bestellt. Das wirklich interessante an einer hervorragenden Herrenmode ist eben ihre Herkunft und nicht zuletzt sozialer Beitrag, weniger die dandyhafte Mentalität jedes Einzelnen, der dies sich zu leisten glaubt.
Edelardos Bericht wagt eine Aufklärung, fernab des konformen Amüsements! Voilà !
Meilleures salutations
Hans-Baptiste Puschel
Edelardo stellt Fragen, klärt auf und dss in einem angenehmen, unprätentiösen Stil. Soll sich doch der Siebenbürgener aus seiner selbsverschuldeten Unmümdigkeit herausführen. “Äußern Sie sich, Herr Saint Crispin’s!”
Ein herzliches vivat, crescat floriat und bleiben Sie sich treu, lieber Edelardo.
Beste Grüße aus Dunkeldeutschland (DD)
Ihr Rogerio
Edelardo stellt Fragen, klärt auf und das in einem angenehmen, unprätentiösen Stil. Soll sich doch der Siebenbürgener aus seiner selbstverschuldeten Unmümdigkeit herausführen. “Äußern Sie sich, Herr Saint Crispin’s!”
Ein herzliches vivat, crescat floriat und bleiben Sie sich treu, lieber Edelardo.
Beste Grüße aus Dunkeldeutschland (DD)
Ihr Rogerio
Guten Abend,
eine interessante Geschichte. Sicherlich für den Fachhandel keine gute Geschichte. Aber ich frage mich wieviele der wenigen St. Crispin Händler die es in Deutschland gibt haben auf Grund dieser Tatsache die Zusammenarbeit mit St.Crispin eingestellt. Ich vermute mal keiner. Also wird es die Inhaber von St. Crispin nicht weiter tangieren.
lg
MPC
Themenwechsel, es langweilt!
[...] es sich, dass “Edelardo”, sozusagen der Stilwächter im Slow-Wear-Blog sich am 19. November 2008 über einen Schuhhersteller aufregte und dessen Vorgehensweise beim Verkauf kritisierte. [...]