22. Mai 2013

Da muß dann auch mal einer die Hand ins Heft nehmen

by G. B.

Im Vorfeld des CL-Finales kommt es ja zu allerlei hysterischen Auswüchsen. Motto: alles gesagt, nur noch nicht von jedem. Nun lesen wir in einer Beilage der FAZ unter dem Titel: „Aus Liebe zum Verein – und zum guten Geschmack“ ein paar Einlassungen von wenig kopfballstarken Fußball- und Stilexpertinnen wie der Modeberaterin Sonja Grau (Desingeschichte geschrieben, weil Grauschleier erfunden) und der „Stilberaterin“ Ines Meyrose (nicht erschrecken beim Öffnen des Blogs).

Wir zitieren aus der ersten Halbzeit des Kreisklasse-Artikels: „ Stillvoll kombiniert sei Fanmode sogar etwas fürs Büro (… sagt Frau Grau)“, dazu ergänzt Frau Meyrose: “Ein Trikot geht nicht. Aber ich finde es in Ordnung, wenn ein Fan in einem T-Shirt in das Büro kommt – vor allem, wenn alle wissen, sein Verein hat besonders gut gespielt oder einen besonderen Sieg errungen.“

Auf wohlfeile Klischees zum Thema Frauen und Fußball verzichten wir als wahre Sportsmänner und widmen uns der Sache. Zwei Punkte:

Fanmode und Stil sind im Büro (wie eigentlich auch außerhalb von Stadien bei Erwachsenen über 18 Jahren) wohl Antagonisten.

Ein Fan, der sich bekleidungstechnisch zu seinem Verein nur bei Siegen bekennt, ist kein Fan sondern ein verkleideter Opportunist.

Frau Meyrose geht mit ihren Stil-Flanken im zweiten Teil der niveaulosen Partie noch weiter, sie empfiehlt darauf zu  achten, dass der Shirtstoff nicht aus glänzendem reinen Polyester besteht. Und, jetzt kommt’s, „tragen Sie keine Sneaker, sondern Anzugschuhe.“ Meyrose, die 1972 Torhüterin beim FC Ottendorf-Okrilla war (Sie galt quasi als Joseppa Maier des Ostens), verschießt jetzt auch noch den entscheidenden verbalen Strafstoß: „Ein Trikotshirt zu einem dunklen feinen Anzug geht ausnahmsweise Mal.“

Für uns allerdings nur bei der Beerdingung des guten Geschmacks oder beim Abschiedspiel von Grau/Meyrose.

 

 

19. Mai 2013

Der Meister kreißte

by G. B.

In der Wirtschaftswoche lesen wir unter dem Titel „Wenn Manufakturen ohne Handarbeit herstellen“ einen aufschlussreichen Artikel zur inflationären Nutzung des ehemaligen Distinktionsmerkmals „Manufaktur“.

Als Nebenkriegsschauplatz: In einem Gespräch mit einem langweiligen Manager einer noch langweiligeren „Marke“ wurde wieder eines deutlich: Auch der Begriff „Luxus“ wird inflationär gebraucht. Besagter Manager definierte ihn als durch hohe Preise geprägte und von Marken erzeugte Ware. Dabei mussten wir immer auf den quer in der Knopfleiste des (Ralph Lauren) Hemdes platzierten Montblanc-Griffel starren. Und damit nicht genug, da der Deutsche immer gerne Initiativen, Vereine oder Arbeitskreise gründet, haben sich unter dem Titel „Meisterkreis“ Unternehmen zusammengefunden (Gibt’s schon länger, ist uns aber eben erst aufgefallen). Der Markenmanager ist auch dabei. In aller Bescheidenheit schreibt die Initiative über sich „Unter den mehr als 40 Mitgliedern finden sich Spitzenunternehmen, herausragende Persönlichkeiten und Institutionen des kulturellen und wissenschaftlichen Lebens sowie internationale Luxusmarken, die fest im deutschen Markt etabliert sind“

Das Beste: „Zum MEISTERKREIS gehören Unternehmen wie A. Lange & Söhne, Brenner’s Park Hotel, Gaggenau, KaDeWe, Leica, Lufthansa First Class, Meissen, Montblanc, Robert Weil und Talbot Runhof sowie die internationalen Marken Chanel, Dior und Estée Lauder. Institutionen wie die Berliner Philharmonie und die WHU – Otto Beisheim School of Management sind assoziierte Mitglieder. Sie alle verbindet die besondere Meisterschaft im Umgang mit Materialien und Ideen, eine Leidenschaft für kompromisslose Perfektion, eine ausgeprägte Servicekultur und ein Höchstmaß an Kreativität und Innovation, die im gegenseitigen Austausch und neuen Kooperationen gepflegt und weiterentwickelt werden“.

Die Meisterschaft der Lufthansa, KaDeWe oder des Vorhangproduzenten JAB Anstoetz blühte ja bisher eher im Verborgenen – hatte eher was von Haus-Meister. Unser großer Vordenker Edelardo Feinolini hat vor Jahren in einem Essay zum Thema Luxus “Luxus: Die Qualität, nicht das Preisschild zählt” die wesentlichen Punkte definiert – sogenannter Luxus a la Meisterkreis ist einfach nur (schlechtes) Marketing.

 

 

14. Mai 2013

Der Strumpf des Nibelungen

by G. B.

In einem Sonderheft der SZ nehmen wir unter dem Titel „Klassik trifft Kompression“ eine Anzeige der Stützstrumpffirma medi zur Kenntnis. Die Firma, Hersteller von medizinischen Hilfsmitteln, engagiert sich als Partner des Wagnerjahres 2013.

Auf der Presseseite lesen wir dazu noch folgendes: „Wir möchten dem kulturinteressierten Publikum unser großes Angebot an topmodischen Kompressionsstrümpfen näher bringen. Gerade für besondere Anlässe, wie einen Opernbesuch sind sie der ideale Begleiter, um das gute Gefühl fitter Beine zu spüren“, so Miriam Schmitt von medi.

„Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, Klassik und Kompression enger zusammenzuführen“, sagt Miriam Schmitt, Leiterin Unternehmenskommunikation Medical. Vor allem bei den Werken von Wagner, die teilweise fünf Stunden und länger dauern, können Kompressionsstrümpfe nicht nur für die Darsteller, sondern auch für die Zuschauer wohltuend sein.

Klassik und Kompression, Innovation und Inkontinenz, Mode und Magensonde, Dekandenz  und Defibrillator – die Medizin geht neue Wege in der Kommunikation. Der demographische Wandel wirft seinen Schatten voraus – macht euch auf die Kompressionsstrümpfe!

 

11. Mai 2013

Guckst Du

by G. B.

Die Brille, einst nur Sehhilfe, ist heute ein sogenanntes „Statement“. Nun halten wir die Aussagekraft der beglasten Gestelle für begrenzt, wollen uns aber gerne der Qualität dieses Accessoires zuwenden. Wir unterscheiden hier zwischen Brillenträgern, die auf eine Sehhilfe angewiesen sind und Brillenträgern die Brillen als modisches Accessoire tragen (Fensterglas-Fraktion). Darüber hinaus ist, mit Blick auf die saisonale Wetterlage, auch die Sonnenbrille zu betrachten, sie bildet die  Schnittmenge zwischen modisch und medizinisch motivierten Trägern.

Wie üblich spielen sogenannten „Marken“ eine große Rolle bei der Auswahl der Gestelle. Leider. Denn selbst der größte textile Individualist ist sich nicht zu schade, seine Sehschwäche mit einem 08/15 Wayfarer Plastikgestell zu kaschieren. Brillen von Chanel, Bulgari und jedem anderen sogenannten “Markenhersteller” zieren die Nasenrücken unzähliger Menschen, denen wir täglich in die verglasten Augen blicken. Überwiegend wird diese „Vielfalt“ von einem Hersteller produziert (Luxottica) und wir dürfen sicher sein, dass die Plastikmischungen markenübergreifend sehr ähnlich sind. In der Folge laufen zahllose erwachsene Menschen mit logo-verzierten Brillengestellen aus Kunststoff umher (Brille/Sonnenbrille) und erfreuen sich minimalster Individualität zum höchsten Preis, der für Plastik bezahlt wird.

Wir sind bei unseren Erkundungsmissionen auf einen sehr ambitionieren Menschen gestoßen, der sich der Anfertigung individueller Brillen aufs Horn (Quelle:Wasserbüffel, Indien) verschrieben hat. Eric Lauer bietet in Frankfurt nicht nur ein gigantisches Reservoir an eigenen Entwürfen für Brillengestelle, sondern fertigt auch gerne eine Brille nach Kundenwunsch an.  Der Kunde hat dann nicht nur ein auf sein Gesicht abgestimmtes Brillengestell, sondern auch ein individuelles, aus einem Naturmaterial handgefertigtes Produkt, auf der Nase. Die schönen Horngestelle sind am Ende nicht wesentlich teurer als die Spritzguß-Plastik-Marken-Designer-Brillen – eigentlich bieten sie, gemessen an Herstellungsaufwand und Materialkosten, ein unschlagbar attraktiveres Preis-Leistungsverhältnis.

Für die Sehenden ist natürlich die Sonnenbrille mit Horngestell eine echte Option. Denn auch im Sonnenbrillen-Markt herrscht Massenindividualität, nichts gegen American Optical, Ray-Ban, Persol oder Spektre, aber Individualität bietet hier nur ein Vintage-Modell oder eben eine Anfertigung.

Eric Lauer, der auch nicht zur üblichen Optiker-Oberlehrer-Fraktion zählt, bietet übrigens auch ein schönes Service-Paket zur dauerhaften Pflege des hornigen Begleiters.

 

7. Mai 2013

Masseria Serra dell’Isola

by G. B.

Wir reisen ja für die geschätzte Leserschaft gelegentlich nach Italien. Wer in Apulien nicht nur sartoriale Eindrücke sammeln , sondern auch  die  Schönheit der Region erkunden will, der sollte seine Zelte bei Rita Guastamacchia in der Masseria Serra dell’Isola in Mola di Bari aufschlagen. Das Haus, seit Generationen im Familenbesitz, liegt mit seinem großen Garten eingebettet zwischen zahllosen Olivenhainen. Die fünf Zimmer sind sehr liebevoll eingerichtet, der übliche Hotel Schnick-Schnack fehlt komplett, wie gelegentlich auch der Strom. Aber Ritas Gastfreundschaft, ihre Liebe zur regionalen Küche und ihre Kenntnis der Geschichte Apuliens lassen dann auch den deutschen Lounge-Lobby-Lifestyle-Spießer gnädig auf die Masseria blicken. Rita hat ihre Küche hervorragend im Griff und ständig verlassen diesen Ort beste selbstgemachte Produkte – unbedingt Kochkurs buchen. Eine Wallfahrt mit ihr zu den Sehenswürdigkeiten ist ebenfalls empfehlenswert, denn die ehemalige Journalistin hat sich schon immer intensiv mit ihrer Heimat auseinandergesetzt. Heute kommen selbst italienische Mamas zu Ritas Kochkursen, da viele der regionalen Gerichte sind mit dem Tod der Nona von der familiären Speisekarte verschwunden sind – Kurzum: Slow-Food ohne Weltanschauung. Die zentrale Lage ist ideal für die Erkundung der Umgebung, Bari quasi vor der Haustür, Altertümer allenthalben und kaum ein “Menu Turistico” auf den Speisekarten der Trattorien.

 

 

6. Mai 2013

For you. For Ort

by G. B.

Wer sich gerade langweilt, kann hier ein wenig auf die Autos von Herrn Schlecker bieten. Die Fahrzeugauswahl – bis auf den Jaguar – zeigt in eine geschmackliche Richtung, wie sie Schlecker sonst nur durch den offensiven Einsatz von Versace-Hemden repräsentiert hat.

3. Mai 2013

Das Pferd frisst keinen Gurkensalat

by G. B.

1. Mai 2013

#Herrenkultur

by G. B.

Wir lesen im KulturSpiegel unter der Überschrift „Retrosexuell“: „Die Herrenkultur erlebt eine Renaissance. Mit ihr kehrt ein nostalgisch konservatives Männlichkeitsideal zurück“.  Der Artikel bemüht allerlei Beispiele – vom Film „Der große Gatsby“ über den Trend zur Rasur bis hin zu Popstars, die nun in klassischer Herrenmode machen, um den vom Redakteur Tobias Becker ausgemachten „Trend“ zum Anzug und klassischer Bekleidung als chauvinistische Bedrohung auszumalen.

Eine Kulturwissenschaftlerin wird mit der folgenden wirren Aussage zitiert: “Herrenkultur ist eines der wichtigsten Comeback -Trends. Dahinter verbirgt sich ein neues Standes- oder zumindest Statusdenken. Ein ganz, ganz kruder Konservatismus.“

Unser emeritierter Stilpapst Josef Roetzel lässt sich aus Castel Gandolfo mit den Worten vernehmen: „Herrenkultur ist zurzeit nur ein weiterer Trend an der Oberfläche, der sich nicht fortsetzen wird“. Der Trend gehe an der Masse der Männer vorbei, etwa  an all den 25-35jährigen Großstädtern auf Hipster-Trip: Sie seien aus ideologischen Gründen skeptisch, wollten nicht aussehen wie Banker oder Verbindungsstudenten.

Dazwischen ein schönes Allerlei, das über zahllosen Themen von Jugendarbeitslosigkeit, Männer-Postille GQ, bis zum Fernseh-Proleten Robert Geiss kreißt und praktisch nichts und niemanden auslässt – um dann aber doch nur eine inhaltliche Maus zu gebären.

Der wirklich beste Satz zum Schluß: „Die Herrenkultur ist das Gegenteil von dem, was die Avantgarde-Mode will.“ Die Avantgarde-Mode reite seit Jahren Attacken gegen die Geschlechterstereotypen, nun reiße die Herrenkultur die modischen Gräben wieder aus-. Allein der Anzug unterstreicht die typisch männliche Statur und Körperhaltung, also breite Schultern aus schmalem Rumpf, das Ideal der V-Förmigkeit, äußert die Kulturwissenschaftlerin.

Wir halten fest:

Herr sein und als solcher wahrgenommen zu werden, ist etwas, was man sich erarbeiten muß (wenn man(n) will)

Demzufolge kann Herrenkultur kein Trend sein

Weder Nassrasur noch Anzug ersetzen eine Haltung

Auch Hipster können Herren sein

Modische Gräben sind wichtig

Die Avantgarde-Mode ist albern und hysterisch

Kulturwissenschaftlerinnen wissen auch nicht immer weiter

Selbst Nachtspeicherheizungen haben schon eine Renaissance erlebt

Freiheit kann man nicht anziehen.

 

 

 

 

28. April 2013

Perlen der Poesie

by G. B.

Im Briefkasten die Einladung zu einem Maßschuhtag mit Meister Kuckelkorn (an sich schon eine echt aussergewöhnliche Idee, wie wir sie höchsten acht bis zehn Mal pro Woche sehen). Doch hier überrascht uns der Händler (Name der Redaktion bekannt) mit einem besonderen “Gag”: Unter Notenlinien und -schlüsseln verbirgt sich der Text “Ku-cki, Ku-cki ruft’s aus dem Wald”. Danach folgen die bekannten Strophen des Kinderlieds von Hoffmann von Fallersleben.

Auch größere Geister sind schon mit dem Versuch von Werbe-Poesie gescheitert. Aber doch schade, dass unser verehrter Herr Kuckelkorn hier für die sprachlichen Verirrungen aus der Kucki-Dent Fraktion des Handels herangezogen wird.

Wir singen alle:

Ku-cki, Ku-cki, trefflicher Held!
Was Dir gesungen, ist ihm misslungen:
Kunden, Kunden räumet das Feld

27. April 2013

Jeans on: A-B Fits San Francisco

by G. B.

Ein weiteres interessantes Geschäft mit maximaler Denim-Kompetenz in San Francisco ist A-B Fits (1519 Grant Avenue). Inhaber Howard Gee (im Bild) führt das Geschäft seit vielen Jahren und hat mit viel Gespür und Geschmack ein Angebot vom Besten, was derzeit zum Thema Denim von amerikanischen und japanischen Herstellern produziert wird, zusammengestellt. Guter Webshop und sehr freundlicher Service gehören hier zum Standard – deutsche Einzelhändler: Hefte raus! Diktat.

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