29. Juli 2014

Voll auf Zapf

by G. B.

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Im Salzburger Land, genauer gesagt in Werfen im Pongau liegt das nationale Filzhut-Mekka Österreichs. Die Hutmacherei Zapf wurde im Jahr 1893 von Johann Zapf gegründet und war sogar K.u.K Kammerlieferant.

 

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Heute ist Zapf sowohl auf dem Kopf Pongauer Landwirte, Kärntner Jäger oder Düsseldorfer Bankiersgattinnen zuhause. Die Kopfbedeckungen entstehen unter den kundigen Händen von 12 Mitarbeitern je nach Ausführung in zehn bis fünfzehn Arbeitsschritten.

Dabei wird der Rohling – vom Hutmacher „Stumpen“ genannt – von Hand aufgezogen und „garniert“. Die in Europa hergestellten Stumpen aus Haar- (Hasenhaar) oder Wollfilz werden über Dampf in Form gezogen – im schönen Gegensatz zur industriellen Hut-Herstellung, denn hier wird der Filz in Form gepresst.

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Mittlerweile stellt die kleine Firma unter den Kategorien „Classic“, „Exquisite“ und „Jagd“ drei verschieden Hutlinien für Damen und Herren her. Der Besuch im verträumten Bergdorf lohnt auch deshalb, weil mit dem Restaurant Hotel Obauer in ca. 150 Metern Entfernung eine der besten gastronomischen Adressen in Österreich quasi nur eine Hutschnur entfernt liegt.

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Außerdem hat Zapf einen wirklich gut gemachten Webshop mit den Highlights des Ladens.

16. Juli 2014

Herr Görner lässt Sie nicht im Regen stehen

by G. B.

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Zu der vernünftigen Grundausstattung der Herrengarderobe zählt der Regenmantel. In Zeiten erdrückender Funktionsjacken-Präsenz schützt ein Regenmantel seinen Träger nicht nur vor Witterungseinflüssen sondern hebt ihn auch wohltuend von der Masse stilistisch verwirrter Wandersleut ab. Wer jetzt trotz Sommersonne antizyklisch planen und für kommenden Regen gerüstet sein will, der wir bei Stephan Görner fündig. Der Frankfurter Schneider bietet einen dunkelblauen Regenmantel auf Maß – gefertigt aus Super150er Stoff von Loro Piana in einer Mischung aus Wolle, Seide und Elastan – mit einem leichten Gewicht von nur 170 Gramm. Dieses sogenannte “Storm System” ist ein Wind und Regen abweisender Stoff, der sich gerade in der milderen Jahreszeit hervorragend bewährt. Auf Wunsch wird der Regenmantel als Ein- oder Zweireiher gefertigt, „Gimmicks“ wie Kontrastkragen, Knöpfe und Futter sind frei wählbar. Der Preis beträgt 799 Euro, die Lieferzeit nach Maßnahme etwa vier Wochen.

3. Juli 2014

Das Schreiben der Belämmerten

by G. B.

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Und wieder öffnet das stilistische Sommerloch gähnend seinen Schlund: Die Süddeutsche Zeitung stammelt unter dem Titel „Hinfort mit den Krawatten“ einen halbherzigen, allgemeinsplatzschwangeren und sprachlich einfallslosen Text rund um die Krawatte daher. Sekundiert wird der ahnungslose Autor Oliver Klasen (der angeblich keine „abgegriffenen Sprachfloskeln“ mag) vom Franz Beckenbauer der deutschen Gentleman-Ingenieurswissenschaft: Bernhard „Stil-DIN“ Roetzel. Wir lesen Bonmots wie: „Der wichtigste Tipp, den Stilberater Roetzel gibt, ist sehr beruhigend: “Achten Sie bei der Krawattenwahl in erster Linie auf ihre persönlichen Proportionen und erst in zweiter Linie auf die Mode.” Roetzel, sprachlich und inhaltlich voll auf Ballhöhe, beobachtet messerscharf: “Der derzeit noch angesagte Slim Fit funktioniert nur bei schmalen und schlanken Typen wirklich gut”.

Leider zeigt sich in der redaktionellen Berichterstattung „klassischer“ Medien nicht nur saisonal, sondern ganzjährig eine krasse Einfallslosigkeit gepaart mit fehlender Sachkenntnis. Ewig wiederkehrende Anzug-, Schuh-, Hemden und Uhren-Ratgeber wechseln sich mit markentrunkenen Berichten – die eher an „Advertorials“ erinnern -  rund um die großen Schauen der sogenannten Luxusmarken (und Anzeigenkunden) ab. Auch herausragende Magazine wie Cicero beschäftigen mit Alexander Grau einen selbsternannten Stil-Kritiker, dessen Kolumne beim Leser einen anhaltenden Phantomschmerz nach einer totalen Inhaltsamputation bewirkt.

Selbst ein absoluter Ausnahme-Star wie FAZ-Redakteur Alfons Kaiser muss seine Sachkenntnis in einem inhaltlosen Hochglanz-FAZ-Magazin auf das Niveau redaktioneller Werbeträger wie der GQ herunterschreiben. Und als wäre die Verarmung der Handelslandschaft und die Uniformierung unserer Innenstädte durch „Luxus-Marken“ nicht schon traurig genug, müssen wir nun auch feststellen, dass Print zumindest beim Thema Herrenbekleidung geistig tot ist.

Es bleibt ein Rätsel, warum sich Redakteure, die ja täglich über weitaus komplexere Sachverhalte eloquent berichten, bei diesem Thema in „Ewig grüßt das Murmeltier-Manier“ sprachlich und inhaltlich nur Langweile und Allgemeinplätze verbreiten. Die stets gefragten „Stilberater“ leben davon, dass sie sich äußern, sichtbar bleiben und regelmäßig bei Deichmann Verkäufer für Geld schulen. Ihnen kann eigentlich niemand einen Vorwurf machen, denn schließlich besetzen Sie eine Lücke, die erst durch nachlassende Kompetenz des Handels, fehlende Vorbilder, Verarmung des Angebotes und einer wachsenden Freizeitkleidung-Bewegung entstanden ist.

Das schwarze Loch des Stils ist da.

26. Juni 2014

Went to beach

by G. B.

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Sommer ist da und für die umsichtigen Männer unter unserer Leserschaft beginnt die Badesaison mit der bangen Frage: “Passt die Badehose noch?” und “ist das gute Stück auch stilistisch noch wasserdicht?” Mittlerweile hat jede Marke Badeshorts für Männer im Programm, gern auch mit riesigen Logos. Wer kein Logo-Lude, Profi-Schwimmer oder Bademeister ist, greift hier besser zu den etwas dezenteren Badeshorts, die nicht nur im Wasser, sondern auch am Strand oder Beckenrand einen guten Eindruck vermitteln. Dabei muß es nicht immer die Badehose vom Herrenausstatter für einen dreistelligen Betrag sein, denn Traditionshersteller wie Speedo bringen hier nicht minder attraktive Ware an den Mann. Ab einem gewissen Alter (und auch abhängig von der Figur) sollte die Badehose ihren Zweck souverän zu Wasser und zu Lande erfüllen, aber nicht aus einem käsigen Juristen einen Beachboy machen wollen. Zurückhaltung bei Passform und Farbauswahl sind hier gute Begleiter bei der Kaufentscheidung. Wir haben ein paar schöne Modelle aufgelistet, die an der Beachbar oder am Kiosk des Stadtbades noch einen guten Eindruck machen. Von oben nach unten: Swim-Ology, Vilebrequin, Frescobal Carioca, Orlebar Brown und Olmaia.

 

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18. Juni 2014

Meisterstück

by G. B.

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Der Schreibgerätehersteller Mont Blanc zeigt in seiner aktuellen Anzeigenkampagne, wie Unternehmen Prominente glaubhaft für ihr Produkt werben lassen. Im Bild der Schauspieler Hugh Jackman, dessen Affinität zur Schriftstellerei und Poesie uns ja auch in zahlreichen Rollen (Wolverine, X-Man, etc.) deutlich wurde. Besonders schön ist die elegante Art, wie der vergeistigt blickende Mime das hochwertige Schreibgerät hält.

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12. Juni 2014

Reisefieber: G. Abo Napoli auf der Pitti Uomo

by G. B.

Die Pittti Uomo steht vor der Tür und wir freuen uns auf die zahllosen Bilder besonders individueller Männer mit Vollbart, Zigarren/Peifen, farbigem Schuhwerk, mindestens 24 Armbändern pro Handgelenk, etc., etc. . Einen Termin werden wir uns aber auf diesem Jahrmarkt der Eitelkeiten nicht entgehen lassen, denn ein Besuch bei G. Abo und ein Blick auf kommende Kollektionen ist uns wichtig. Wir schätzen das Produkt, seine Verarbeitung und die kundenfreundliche Preisgestaltung. Diehl und Diehl in Frankfurt bietet derzeit eine etwas verfeinerte Linie an – Passform und Schulter sind sehr beeindruckend, deutlich besser als beispielsweise die (deutlich teueren Waren) von Stile Latino.

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3. Juni 2014

Touristen – Totengräber der Ästhetik

by G. B.

 

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Wir leben in einer Welt, in der sich jeder eine Reise leisten kann – eigentlich schön, denn Reisen soll ja bilden. Was dem Betrachter aber in den europäischen Metropolen an touristischer Bekleidungsinkompetenz entgegen schreit, ist eher ein Zeichen des Bildungsnotstands. Wir sehen in Paris, London, Rom, Barcelona und Berlin Touristenströme in Outdoorbekleidung, gewappnet mit Rücksäcken und teilweise auch noch bewehrt mit Nordic-Walking-Stöcken, diese Horden von Wandersleuten bevölkern die schönsten Plätze Europas und verstellen den Blick auf vereinzelt noch sichtbare Einwohner der genannten Städte.

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Diese wiederum erkennt man im Sommer daran (männliches Exemplar), dass sie zu keiner Sommerzeit in einer Stadt mit kurzen Hosen oder Sandalen herumschlappen. Wohltuend die Abende nach dem Abzug der marodierenden 7/8-Hosen-Seniorenhorden, nuttiger Leggingsträgerinnen und tätowierter Flip-Flop-Schlapper. Dennoch: Ganz Europa hat neben der Finanz- eine noch größere ästhetische Krise, denn die Touristen, die in den Metropolen in ihren atmungsaktiven Polyesterklamotten für ein Gruppenbild fehlender Selbstachtung sorgen, kommen ja überwiegend aus unserem Kulturraum (der mittlerweile zur Umkleidekabine des Schreckens mutiert ist).

Deutsche, Briten, Holländer, Belgier und Franzosen, alle geeint durch fehlenden Bekleidungs-Respekt: Kurzbehost und in Schlappen im Dom, in muffigen und zu engem Outdoorleibchen auf der Piazza Navona oder sicherheitshalber mir freiem Oberkörper, zeigt sich der Tourist in den Kulturhauptstädten als Vandale des Geschmacks. Da stehen sie nun und bewundern die Meisterwerke vergangener Zeiten, preisen die Schönheit von Kunst und Architektur und sehen selbst nur aus wie ein textiles Dixie-Häusschen.

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Fehlende Kinderstube, falsch verstandene Gestaltungsfreiheit, Dummheit und bloße Hässlichkeit vereinen sich dieser Tage wieder zum alljährlichen sommerlichen Barbaren-Ansturm. Der Wunsch vereinzelter Museen, Kirchen oder Lokale nach einer dem Umfeld entsprechenden Bekleidung wird mit Entrüstung als Angriff auf die persönliche Freiheit begegnet. Aber was ist eigentlich mit der Freiheit ästhetisch gebildeter Menschen und derer, die noch wissen, dass Wanderbekleidung nur auf dem Watzmann nötig ist und Flip-Flops eigentlich nur von Bademeistern getragen werden?

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30. Mai 2014

Hemdenmacher in Mailand?

by G. B.

Kann dem Mann geholfen werden, irgendwer Tipps?

 

Liebes Slow-Wear Team,

Ich könnte ein wenig Fachwissen gebrauchen. Nach wie vor fällt es mir sehr schwer passende
Hemden zu finden. Ich suche letztlich klassische Hemden: Doppelmanschette, Hai, u. U
Kontrastkragen. Hauptproblem bleibt die Weite. Bei einer Kragenweite von 40cm u. einer Taille von 82cm bekomme ich Hemden die etwa 20 cm zu weit sind.
Ich habe heute zu hören bekommen, ich solle nach Mailand fliegen um mir dort Hemden machen zu lassen. Ich wäre für ein paar Adressen in Mailand, wie in meiner Umgebung Bonn, sehr dankbar.
U. weil der Teufel immer auf den größten Haufen scheisst, hat die WG Waschmaschine vergangene
Woche 7 Hemden „gefressen“. Ich fliege heute nach ohne ein einziges verbleibendes Hemd in den Urlaub nach Ibiza. Auch was Ibiza betrifft bin ich wirklich sehr dankbar für brauchbare Adressen.

Fassen wir zusammen. Ich brauch 4-5 Hemden u. hab´keine Kohle um 200 Euro/Hemd auszugeben (Bin 21 Jahre alt u. im Studium). Boss & Co kommen nicht in Frage. Ich hab´mir die Hemden angesehen u. die Hemden sind scheisse (billige Manschetten u. der Stoff ist auch kein Bringer).
Und ich brauche ein paar brauchbare Adressen in Mailand/Bonn/Ibiza

16. Mai 2014

Ist die Mütze der neue Bart?

by G. B.

Die aktuelle politisch-korrekte Diskussion dreht sich ja eher um bärtige MännerInnen in Damenkleidern. Grund genug, uns um ein ebenfalls komplexes stillistisches Thema zu kümmern – die richtige Kopfdeckung. Und zwar die von Männern, die sich in Ihrer Geschlechterrolle noch wohl fühlen. Anlaß zu diese Betrachtung geben uns die Filmfestspiele in Cannes. Im Bild (oder besser nicht ganz im Bilde) der Regisseur Oliver Dahan

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Vermutlich hat er sich beim Aufschrauben der Kopfbedeckung so gesehen:

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Wirkt ab eher so:

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Deutsche Herren sind ja mützenmässig gewarnt:

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Wir sind der Überzeugung, dass die Sinnhaftigkeit der Kopfbeckung entweder zum Schutz (Sonnenhut, Tropenhelm, Motorradhelm, Stahlhelm) aus religiösen Gründen, Tradition oder als Zeichen der Autorität nicht zur Diskussion steht. Bei Schiebemützen-Hippstern, Panamahutträgern in Berlin oder Baseballkappen-Sportsmännern hingegen sind Zweifel stets angebracht. Elegante Hutträger sind seit den Tagen unserer Großväter aus dem Straßenbild verschwunden, die Kopfbedeckung verkommt zum “Statement” – und hier sehen wir überwiegend Antworten auf Fragen die niemand gestellt hat. Schön wäre es auch, wenn die modisch kopfbedeckten ihre jeweiligen Deckel beim Betreten von geschlossenen Räumen abnehmen würden. Manche hätten sie besser nie aufgesetzt.

 

5. Mai 2014

Finaest – wenn der DHL-Mann zweimal klingelt

by G. B.

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Während der deutschen Einzelhandel für Herrenbekleidung offline so vor sich hin existiert und wortreich seine Lage beklagt, gehen nicht nur viele Hersteller mit eigenen Shops online, sondern immer mehr Online-Händler mit spannenden und gut gemachten Produkten (uns) bekannter Hersteller erweitern das sartoriale Angebot.

 

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Uns gefällt hier Finaest sehr gut, neben einigem überflüssigen Gentleman-Accessoires-Chi-Chi gibt es beispielsweise die klassischen Mokassins von Miserocchi, eine gute Hemdenauswahl – unter anderem mit einer sehr schönen „Edition“ von Cordone und Hemden aus dem Hause Santillo. Die Betreiber des Webshops haben sich sowohl auf traditionsreiche Hersteller wie auch auf junge italienische Designer spezialisiert und liefern zu den Produkten auch Informationen zum Hersteller. Finaest bietet für Herren einige gut gemachte Produkte kleiner Hersteller, die wir im Handel gar nicht mehr finden, da der sich zunehmend hinter einem langweiligen Allerwelts-Angebot versteckt.

Die Preise bei Finaest sind sehr ordentlich kalkuliert und innerhalb von Europa verzichtet man auch auf Versandkosten.

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