27. Februar 2015

Der Herr des Literaturbetriebs

by G. B.

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Zum Gedenken an Fritz J. Raddatz, für den Sprache zeitlebens der Maßanzug für das Gedachte war, ein Auszug aus dem Schriftverkehr mit der FAZ:

Raddatz antwortete (per Mail!): „Da Sie in Ihrer Anfrage von ,Stilfragen‘ sprechen, liegt mir daran zu betonen: Ich möchte kein Gespräch führen, das sich auf Manschettenknöpfe, Messerbänkchen oder die widerwärtigen Sandalenträger beschränkt. Stil ist für mich ein durchaus erweiterter Begriff und schließt selbstverständlich die weit verbreitete Stillosigkeit mit ein: Darunter verstehe ich sowohl die Verkommenheit der Sprache (vor allem im Journalismus) als auch soziale Stillosigkeit; etwa dass der Milliardär Gerd Bucerius sich zeitlebens weigerte, für seine Redakteure eine Altersversorgung einzurichten, oder dass Helmut Schmidt – seine Sicherheitsbeamten wie persönliches Personal behandelnd – sie etwa kürzlich nach einer internationalen Konferenz ,Rollt mich hier raus‘ anblaffte, als seien sie der Pflegedienst; noch dazu per Domestikenduzerei. Wenn wir uns über diese inhaltliche Skizzierung einigen könnten, stehe ich zur Verfügung. Zum Technischen: Ich reserviere in meinem Kalender Freitag, den 17. August, 16.00 Uhr und möchte Sie bitten, im Hamburger Grand Hotel Elysée, wo ich bisher alle meine Interviews führte, ein entsprechendes Konferenzzimmer mit Raucherlaubnis auf F.A.Z.-Kosten zu reservieren.“

Zum Hintergrund noch ein kleines erbauliches FAZ Interview mit Raddatz  aus dem Jahr 2012. Thema: “Stil braucht Lässigkeit

12. Februar 2015

Cowboy vs. Pussy

by G. B.

 

 

Kasper

von Jürgen Wolf

Berlin gesehen. München gesehen. Fashion gesehen. Sport gesehen.

Für Florenz bin ich noch nicht stark genug. Bislang lese ich zwar die Berichte darüber, kann aber nur unter therapeutischer Betreuung einer mit mir befreundeten Psychologin die Bilder der Besucher anschauen. Entweder die Herren sehen aus wie im London zu Zeiten von Dr. Jekyll and Mr. Hyde oder wie Pussies. Bei aller Liebe. Heritage ist ein lustiger Gag, aber auf Dauer keine Lösung. Wir leben ja im Jetzt. Und im Jetzt sehe ich auch keinen Platz für überdekorierte Männer, die sich zurechtmachen wie ein drittes Geschlecht.

Wo soll denn die Reise für den Mann hingehen?

Wie sähe denn heute ein schwarzer Ritter aus?

Wie der Held aus Platoon?

Wo sind die neuen Helden?

Hat es was mit einer Rückkehr der Männlichkeit zu tun, wenn auf der Pitti alle mit einem Bart herum staksen? Aus welchem Grund tragen alle Männer in den Menswear Werbungen einen Bart?

Gärt da etwas oder ist einfach etwas aus den Fugen geraten?

In die Menswear strömt eine neue Generation von Kunden. Männer im Alter von Mitte 30 bis Mitte 40. Männer, die im Job stehen, eine Familie haben, einen 5er BMW fahren, aber ihre Jugend nicht mehr ablegen wollen. Zu Recht! Eine Jugendlichkeit, die sich darin äußert, dass ein beachtenswerter Anteil dieser Gruppe in jungen Jahren mit Skaten, Snowboarden und Surfen in Berührung kam. Im Gegensatz zum Turnen oder Fußball wird bei diesen Actionsport Arten eine umfassende Lifestyle Welt vermittelt und in der Zeit von 1975 bis 2000 war die Jugend extrem offen für diese komplett neue Lebenswelt. Diese Bewegung ging gefühlsmäßig unter die Haut und hat eine ganze Generation verändert. Der Einfluss aus dieser neuen Kundengruppe wird aber in der Menswear bisher ignoriert oder bestenfalls falsch interpretiert.

Zeichen

Nehmen wir mal an, ein siegreicher Kämpfer kommt auf die Idee sich die Lila Schwanzfeder eines exotischen Vogels an das Band seines Helmes zu klemmen, dann ist das noch lange keine Aufforderung an den Rest, es ihm gleich zu tun. Die dürfen höchstens und auch nur wenn sie zum innersten Zirkel gehören, die Spielkarte „Pik-Ass“ am Helm tragen. Der Rest lässt besser die Finger von solchen Zeichen. Ins „Jetzt“ übertragen, war dies der Fall beim Thema Bart. Der Trend kam vom Snowboarden und hatte seinen Ursprung in der praktischen Idee, dass ein Bart das Gesicht vor Kälte, Schnee und Wind schützt, wenn der Rider in unwirtlichen Verhältnissen in AK (Alaska) unterwegs ist.

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Dann kommt irgend so ein Pariser Modell auf den Plan und „klaut“ den Bart für die Mode. Kurz darauf ist der Bart hip und alle sind hyper hyper. Vor allem die Menswear. Endlich kann auch die konservativste Marke zeigen wie cool sie in Wirklichkeit ist. Oder vielleicht auch nur sein könnte, wenn es einen da draußen gäbe, der es glaubt. Am Ende zeigt es nur wo die Branche angekommen ist. Es wird so wahllos geklaut und in einer so atemberaubenden Geschwindigkeit umgesetzt, dass alle nach kürzester Zeit wieder gleich aussehen. Und dann, liebe erzkonservativen Menswearer, kommt mal aus dieser Nummer wieder raus und erklärt eurem Kunden wer ihr wirklich seid. Warum ihr eure Models nach Bärten ausgesucht habt und nicht aufgrund der gegebenen DNA eurer Marken. (Übrigens gibt es diese Marken DNA immer, auch wenn manch eine Marke sie einfach nicht finden will)

Pitti vs. ISPO

Ein Besuch auf der ISPO. Hier werden in erster Linie Sportgeräte verkauft und in zweiter Linie Bekleidung, die man zum Benutzen dieser Sportgeräte braucht. Wichtig zu wissen: es ist nicht umgekehrt. Die Generation über die ich weiter oben sprach, ist sportlich orientierter als es diese Altersgruppe jemals zuvor war.

Die bunten Daunenjäckchen, mit denen der Handel (inkl. Aldi) seit Saisons glänzende Geschäfte macht und offensichtlich denkt, dass dies noch endlos weitergehen kann, haben ihren Ursprung im Klettern. Ihren Durchbruch erreichten sie aber über den Trend des Tourengehens, der vor einigen Jahren seinen Siegeszug nahm (Zielgruppe: siehe oben). Dort trug man diese federleichten Jacken, mit einer hohen Komprimierbarkeit, da sie bei Nichtgebrauch easy im Rucksack zu verstauen sind. Der Geist des Tourengehens wurde mit diesen Jacken in die Großstadt, den Alltag, verfrachtet. Das große Gefühl der Freiheit am Berg war dann auch noch in den Schluchten der Frankfurter Innenstadt zu verspüren. Oder auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin.

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2. Februar 2015

Am Modepimmel

by G. B.

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Wir lesen unter der Überschrift: „Aufgepasst, Männer! Das sind die neuen Moderegeln“ einen Beitrag von Adriano Sack. Der Einstieg: „Wo geht es denn nun hin mit dem Mann von heute? Ist es der Lumbersexual (Neohetero im Holzfällerhemd), der Brogrammer (Nerd mit Muskeln), der Gentleman (Einstecktüchersammler)? Und was sagen die Designer in Mailand und Paris dazu?“ führt zu einer Übersicht aktuellester Kuriositäten, die „Mann“ trage soll.

Wer es nicht liest, versäumt nix. Erkenntnis: Das Zeug sieht aus wie Karnevalkostümierung, Moderegeln sind was für Label-Knechte und Einstecktücher auch kein Zeichen für einen echten Gentleman.

23. Januar 2015

Basic Instincts

by G. B.

von Jürgen Wolf

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In unserem Hirn gibt es eine Zone, in der das dopaminerge System beheimatet ist. Zumindest behauptet die Neurobiologie das. Dort wird der Neurotransmitter oder auch kurz Botenstoff Dopamin ausgeschüttet. Die bemerkenswerte Besonderheit dieses dopaminergen Systems ist die Tatsache, dass es beim Menschen bis zum ca. 20 Lebensjahr braucht, um sich komplett zu entwickeln. Bis dahin schießt das System um die 100 Mal am Tag, befeuert von immer neuen äußeren Reizen. Danach nimmt die Intensität stetig ab.

Bei einem 60 jährigen feuert es vielleicht noch 5 Mal am Tag. Die Erklärung liegt vereinfacht gesagt, darin, dass sich der Mensch recht schnell an Reize gewöhnt und Erlebnisse, die unter die Haut gehen, nicht mehr so oft vorkommen. Man kann diese Reize aber selber schaffen. Erlebnisse beim Sport, vielleicht sogar wagemutige, sind eine Möglichkeit. Sex kann eine andere sein. Soweit der Exkurs ins Gehirn. Aber was hat das mit Mode oder dem Kaufverhalten des modernen Menschen zu tun?

Wenn mich meine Kinder oder Freunde fragen, was ich mir zum Geburtstag wünsche, denke ich eine Weile nach und antworte dann: Nichts. Einen neuen Ski oder ein neues Motocross-Bike kaufe ich mir selbst. Meine Bedürfnisse sind auch erschreckend geschrumpft. Meinen Freunden geht es ähnlich. Das dopaminerge System schießt halt nicht mehr bei jedem Scheiß. Bei einem siebenjährigen Jungen ist das einfacher: 1 x Spielzeugauto. Bei einem gleichalterigen Mädchen auch: 1 x Barbie Puppe. Beide haben aber dutzende Autos und Puppen. Scheißegal. Das System feuert Salven von Dopamin und alles ist spannend.

Der Jugendliche ist ebenfalls noch unter massivem Beschuss, was ausreicht, um weibliche Vertreter der Spezies zweimal wöchentlich zu H&M oder Primark wetzen zu lassen. Die Jungs fahren jeden Tag und jede freie Stunde auf einem Skateboard herum. Kinder kaufen irgendeinen Modescheiß, ziehen es 1x an und genießen den Effekt des Zeigens, des in Szene setzens. Der finale Dopamin-Schuss kommt beim posten des Selfies. Erwachsene befremdet dieses Verhalten eher.

Kollektionen bis zur Übersättigung

12 Kollektionen bei Tom Tailor und S´Oliver helfen anfangs schon für eine Befeuerung mit Dopamin. Vor allem dann, wenn davor das 2-Kollektionen Zeitalter lag. Irgendwann nervt es aber. Der Mensch stumpft ab und das Gegenteil der gewünschten Wirkung tritt ein: abstoßende Übersättigung und kompletter Verlust des Gefühls dafür, was eigentlich gerade Mode ist. Die Antwort würde eigentlich lauten: alles. Das wiederum hat zur Folge, dass ich auch alles anziehen kann und zumindest nicht unmodisch rüber komme. Cool. Zumindest für den Endverbraucher. (Weiterlesen…)

14. Januar 2015

Sparhose

by G. B.

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In der FAZ schreibt Jennifer Wiebking unter dem Titel „Das Volk der Schnäppchenjäger“ über die Gründe, warum sich trotz nationaler Konsumlaune der deutsche Kunde nicht mehr so richtig für Bekleidung jenseits der Billiganbieter oder der Schlussverkäufe erwärmt. Dabei geht es nicht nur den geilen Geiz, sondern auch darum, dass die Hersteller und Verkäufer eigentlich nix spannendes zu erzählen haben, wie auch schon Jürgen Wolf an dieser Stelle analysierte. Dazu kommen dann noch „Marken“, die nicht mehr für die einst so geschätzte Markenqualität, sondern nur noch für Labels stehen.

Diese Erkenntnis macht auch nicht vor den Verkäufern hochpreisiger Herrenbekleidung halt, denn auch hier kommt die PT sowieso Hose gerne aus Rumänien (nach unserem Atlas gibt es hier keinen Ort Namens Torino), wo sie sicher nicht aus Gründen höherer handwerklicher Qualität gefertigt wird. Aber auch das Maßhemd aus Neapel ist oft genug nachlässig verarbeitet – was der Händler unseres Vertrauens mit einem Augenzwinkern und dem Verweis auf die italienische Mentalität zu erklären sucht – bei einem Preis von 350 Euro kein überzeugendes Argument. Kurzum: Wo die Verkäufer weder für reizvolle und begehrliche Produkte noch für die Qualität ihrer Lieferanten garantieren können, sucht sich der Kunde eben andere Waren oder Kanäle, entweder den Schlussverkauf, das Outlet, Ebay oder einen der unzähligen Onlineshops.

11. Januar 2015

Mann am Arno

by G. B.

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In der kommenden Woche beginnt in Florenz die Pitti Uomo und wir freuen uns schon sehr auf viele Selfies und Gruppenbilder ganz toll bekleideter Männer mit vielen witzigen Accessoires. Natürlich wird sich auch der eine oder andere deutsche Italienentdecker aus dem gehobenen Einzelhandel auf ein Bild drängen und vielleicht sogar die Speisefolgen beim abendlichen Essen in einem extrem angesagten Florentiner Lokal mit uns teilen.

Was uns jedoch etwas mehr beschäftigt: Welche interessanten Produkte erwarten uns in der Herbst/Winter Saison 2015/16? Aber möglicherweise erhoffen wir auch zu viel von dieser schönen und sehr internationalen Messe, denn wer unter dem vielversprechenden Titel „ JUST LIKE A MAN„ unter anderem das Evergreen-Thema „Gentlemans Club“ strapaziert und dabei auf die Symbolik eines Barber-Shops, eines Schuhputzers und eines Rauchersalons setzt, findet interessierte Kundschaft wohl eher auf der Klischee-Seite oder in Schwellenländern, aber kaum unter den Herren mit einem eigenen Stil.

31. Dezember 2014

Heute ist nicht alle Tage …

by G. B.

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Zum Abschluß des Jahres gönnen wir uns einen kleinen Rück- und Ausblick. Seit gut sieben Jahren schreiben wir über Themen rund um klassische Herrenbekleidung, im Mittelpunkt stehen dabei seit jeher die Hersteller, die wir  – soweit möglich –  gerne unterstützen. Wir tun dies unabhängig, werbefrei und ohne alimentierte PR-Texte – und das bleibt auch so, denn redaktionelle Qualität, kritischer Umgang mit Marktakteuren und der nötige Schuß Humor sind uns wichtiger, als die Gefälligkeitsberichterstattung, wie sie leider zu häufig von Blogs erwartet wird. Dafür stecken wir gerne Kritik ein, denn zum Dialog gehört eben auch die andere Meinung.

Was uns gefallen hat, oder auch nicht, haben wir aufgeschrieben. Worauf wir im kommenden Jahr schon heute verzichten können:

  • Armbändchen aus Leder oder Halbedelsteinchen
  • Vollbärte als modisches Accessoire
  • Flagshipstores
  • Das traditionelle „Margen 1×1“ der Händler
  • Nudeln im Sortiment beim Herrenausstatter
  • Das protzige Präsentieren von Zeitmessern in Verbindung mit dem Thema Stil
  • Sprezzatura-Kasper
  • Webshops als vermeintliche Antwort auf veränderte Kundenerwartungen
  • Philosophisch literarische Ergüsse in Händler-Broschüren.

Was wir in 2015 gerne beklatschen würden:

  • Frische Ideen für den Vertrieb
  • Mehr klassische Produkte für jüngere Leute
  • Mehr Demut im Handel, weniger aufgesetztes Sendungsbewusstsein
  • Nicht mehr dauernd verklagt zu werden
  • Die Renaissance der Krawatte.

 

In diesem Sinne, viel Erfolg, Spaß und Gesundheit im neuen Jahr.

22. Dezember 2014

Sieben auf einen Streich – Fragen an Graf Sprezzula

by G. B.

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Stilikone: Don Duckula

Anzüge sind … Berufsbekleidung

Lieblings-Accessoire: Mein Nekromanten–Cape aus Karparten-Kaschmir vom Bartflaum ahnungsloser Bergbauernjünglinge und mein Kapitalstock

Männer brauchen … blutleere Herrenausstatter und finanziellen Aderlaß

Ich kaufe gerne … im Dunkeln

Deutsche Männer sind … meine abergläubischen Opfer

Frauen sollten … mich beschützen

Graf Sprezzula ist eigentlich ein Gigant und ein Dynast, der aber im Verborgenen wirkt und nur teilweise, dann unter anderen Namen, eine Außenwirkung mit “kleinem Erfolg” entfaltet. Von der Welt meist nur als verarmter, blutsaugender transsylvanischer Landadeliger wahrgenommen, kleidet er in Wirklichkeit im Rahmen seines Reiseprojektes „Sarto in Fiasko“ fast alle europäischen Königshäuser.

Dies ist, soweit wir wissen, sein erstes Interview überhaupt. Wir fühlen uns geehrt!

19. Dezember 2014

System statt Bread & Butter

by G. B.

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Von Jürgen Wolf

Gestern war die Bread & Butter noch die weltweite Leitmesse für Urban Wear und Jeans und Berlin der Modestandort schlechthin. Heute ist sie insolvent. Den einen mag es wundern, andere haben es natürlich schon immer gewusst. Karl-Heinz Müller wird jetzt so ziemlich alles vorgeworfen, was dem Einzelnen in der Textil-Meute schon immer gestunken hat. Auf der Bread & Butter gab es Marken die keinen Platz bekamen, zu denen irgendwann auch mal Homeboy gehörte. Ich hatte nämlich 1992 das Gefühl, auf der Interjeans in Köln müsse etwas passieren und kam mit der Idee für die Halle 12.1 um die Ecke. Der Begriff Fashion Sport war geboren und unsere Halle glich damals einem brodelnden Hexenkessel.

Danach saß ich im Messebeirat der Kölner Messe und als K-H Müller mit der ersten Bread & Butter um die Ecke kam, war ich dadurch mit Homeboy wohl auf der falschen Seite. Das war dann Mitte 2000 eine schlechte Voraussetzung für einen Platz in Barcelona. Den hatten wir dann aber trotzdem bekommen und KHM besuchte den Homeboy Stand. Er gefiel ihm, weil er in sein Konzept passte, er setzte sein breites KHM Signature Lächeln auf und klopfte mir auf die Schulter. Damit war alles gut. Sein Bauchgefühl war im Lot.

Die Kölner Messe hatte niemanden mit Bauchgefühl, aber eine Menge Zahlendreher in mittelmäßigen Anzügen. Im Gegensatz zur B & B, waren sie nicht fähig, Stimmungen zu verkaufen. Ihr Job war der Flächen zu vermieten. KHM ist aber ein Spezialist für die Gefühlswelten in der Mode und hat dies feinfühlig umgesetzt. Seine Messe wurde zur Marke und diese Marke hatte eine gigantische Anziehungskraft. Die Interjeans musste ihre Pforten schließen.

Perfekte Inszenierung spielt keine Rolle

KHM hat der Branche das gegeben, was sie eigentlich braucht und leider oft vermisst: die Inszenierung! Etwas in Szene setzen. Und zwar so, dass es am Ende dort ankommt, wo es hingehört: in den Schrank des Endverbrauchers. Im englischen Sprachraum heißt Messe Show. Das beschreibt die Aufgabe einer Messe vielleicht besser, denn sie soll dem Einkäufer eine Idee geben, die er in seinem Laden schlecht selber entwickeln kann. Etwas Neues aufzeigen. Das war die letzten 13 Jahre die Aufgabe der B & B und diese hat sie perfekt erfüllt.

Der Untergang der B & B ist symptomatisch für eine Konsumwelt in der die H&M´s dieser Welt die 1A Standorte mit günstiger und schneller Ware besetzen. Darauf hatte als erster Heinz Krogner reagiert und mit seinem System Esprit in die Weltliga gespusht. Und da taucht der Begriff zum ersten Mal auf: System.

Irgendwann merken es auch die anderen und lernen und auf einmal sind alle Systemanbieter. Dem Einkäufer wird sein instinktives Bauchgefühl abtrainiert, weil es nicht ins System passt. Die Abverkaufsliste ist jetzt der neue Gott und an den glauben bald alle. Ergebnis: der Markt verändert sich dramatisch.

Überall entstehen Markenflächen. Oder sollte man sagen Flächen? Sind denn alle auch eine Marke, die von sich behaupten eine Marke zu sein? Wohl kaum, denn nur die wenigsten haben eine Botschaft. Was ist die Botschaft von Porsche? Das weiß jedes Kind! Wie lautet die Botschaft von Jack and Jones? Mir fällt keine ein. Klar: Hier wird gute Ware zu einem Top-Preis angeboten und der Händler mit einer fürstlichen Spanne entlohnt. Klasse Konzept. Und weil das so toll ist, machen das die anderen jetzt auch.

Und weil der Händler Einfluß auf seine Kunden hat, glauben die vielen Kunden den vielen Schaufenstern und kaufen günstige Ware. Logisch. Wenn das auf einmal ausreicht, um in seiner eigenen Herde anerkannt zu werden, warum das doppelte für ein Sweatshirt ausgeben als bisher. Mein Händler hat es ja mit seinem Einkauf legitimiert. Auf einmal erkennt der Markt, dass so ziemlich alles gleich aussieht. Was wird gemacht? Darauf geachtet, dass das Produkt X dort gekauft wird, wo man das beste Preis/Leistungs- Verhältnis bekommt. So weit, so logisch und so gehen die Jahre dahin.

Derweil versorgte uns die Bread & Butter mit der guten Stimmung und währenddessen kommt das Internet auf den Plan und Zalando kauft alles, was es gibt. Der Markt lacht. Zalando verbrennt sehr viel Geld und sammelt fleißig Daten. Der Markt hat sich an sein Lachen gewöhnt, fängt jetzt aber das große Schimpfen an: Zalando klaut unsere Umsätze. Mittlerweile hat Zalando riesige Datenmengen gesammelt und wertet aus. Radikal. Die Industrie bekommt es zu spüren. Die Prozesse werden perfektioniert und „Huch“ ein Börsengang. Und nochmal „Huch“ , schwarze Zahlen. Die wirklich tödliche Waffe kommt aber erst jetzt ins Spiel: Zalando hat beim Börsengang eine ¾ Milliarde an Euros kassiert und wird jetzt EIGENE Marken auf ihre Plattform wuchten! (Weiterlesen…)

17. Dezember 2014

Sieben auf einen Streich – Fragen an Peter Kröger

by G. B.

PK

Stilikone: Robert Redford

Anzüge sind … immer seltener anzutreffen. Leider.

Lieblingsaccessoire: Sonnenbrillen und Lederwaren.

Männer brauchen … Frauen.

Ich kaufe gerne … Bücher und Krawatten.

Deutsche Männer sind … in Kleidungsfragen immer noch sehr traditionell.

Frauen sollten … genauso ihr Ding machen wie Männer.

 

Peter Kröger ist einer der Gründer von John & Phips. Das Unternehmenwurde 2014 mit dem Ziel gegründet, ehrliche Produkte auf den Markt zu bringen, die das Zeug zum lebenslangen Begleiter haben. Die erste Kollektion besteht aus Piquéhemden in drei klassischen Farben.

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