27. Mai 2015

Salesman ist unser Superheld – Die Geschichte eines Einkaufs

by G. B.

Von Jürgen Wolf

wish-these-were-brains

Unlängst besuchte ich in einer spanischen Großstadt zusammen mit meiner Partnerin eine Zara Filiale. Zu meinem Erstaunen war der Laden enorm groß, worauf ich in der Sekunde den Plan verfasste, den Raum wie eine Messehalle zu „zerlegen“, um auch wirklich alles begutachten zu können. Ich teilte den Laden also in Planquadrate auf und schritt voran. Die Aufgabe bestand darin, für meine Liebste etwas zum Anziehen zu finden. Als Mann der Mode, wurde von mir nicht weniger als eine Höchstleistung verlangt.

Nach einem Drittel der Fläche verließ mich das Vertrauen in meine modischen Fähigkeiten und in mir stieg kurz der Gedanke auf meinen Laptop zu holen und eine Excel Liste anzulegen, in die ich dann diverse Trends eintragen konnte, um dadurch den Weg in Richtung einer Erkenntnis zu finden…. Quatsch – Wie hätte ich diese Flut von Einzelteilen sortieren und auswerten wollen?

Was nun?
Was tun?

Ich stand also in dieser riesigen Shopping Arena und war kläglich daran gescheitert ein modisches System zu erkennen. Es gab alles und davon noch Variationen. Aber was passte hier zu was? Ich sehnte mich nach der Sesamstraße, in der alles seine Ordnung fand.
Um die Situation nicht komplizierter zu machen, als sie war, entschied ich mich für die Variante eines gezielt abgesetzten Hilferufes.

Was mir auffiel, waren viele junge, gutaussehende Damen, in Blau gekleidet, die ihre Bahnen, wie kleine Ameisen, durch den Raum zogen. Sie liefen kreuz und quer, hatten aber offensichtlich ein Ziel. Sie liefen meist mit Händen voll von Ware zu einem bestimmten Warenträger und falteten diese akribisch, nur das im nächsten Moment eine Kundin kam, das Teil hochhob, begutachtete und wieder fallen ließ. Kurz darauf kam die nächste Ameise und das Spiel begann von neuem.

Vom Pinkeln in einem Ameisenhaufen

Ich wollte gerne eine der Damen ansprechen und um ihre Hilfe bitten. Bei näherem Hinschauen verfiel ich aber in solch eine Andacht, dass ich das fein choreographierte Gewusel, dieser hübsch anzusehenden blauen Ameisen, nicht durch meinen Hilferuf sabotieren wollte. Ich erinnerte mich, an meine Kindheit, wie ich als kleiner Junge, zu Studienzwecken, in einen Ameisenhaufen pinkelte und diese faszinierende Ordnung kurzzeitig vollständig außer Kraft setzte. Ich schickte deshalb meinen Blick auf eine Wanderung und bemerkte zwei Damen: eine in Blau und eine ohne Blau, dafür aber mit einem iPad bewaffnet, mit dessen Hilfe sie der blauen Ameise Instruktionen erteilte. Das musste die Ameisenkönigin sein. Hier würde ich meinen Hilferuf absetzen, in der Hoffnung, dass die Königin die Arbeiterin mit der Aufgabe des Verkaufens versieht.

Um es für den geneigten Leser einfach zu gestalten, werde ich die nachfolgenden Dialoge in deutscher Sprache aufschreiben, obwohl das Englisch der Königin nicht frei von einem gewissen Humor war. „Die Damen, man verzeihe mir die Störung, aber wäre es ihnen möglich, mir ihre 3 Top Teile zu zeigen?“ Beide hoben ihre Köpfe und schauten mich an. Die Ameise zuerst mich und dann ihre Königin. Diese war außerordentlich hübsch und hatte große, dunkle Augen. Nach Beendigung meines Satzes wurden sie so groß, dass ich das Gefühl hatte, ausgestreckt darin stehen zu können. „Wie bitte?“

Ich wiederholte meine Frage und schob hinterher: „Ist es denn unüblich nach Unterstützung beim Kauf zu fragen?“ Ich will nicht behaupten, dass ihre Augen noch größer wurden, aber der Ausdruck der Verwirrung nahm deutlich zu. „Wir bieten kein Personal Shopping bei Zara an!“Aha! Darüber hatte ich mir im Vorfeld zu wenig Gedanken gemacht. Curated Shopping ist wohl auf dem Weg ins Internet. Jetzt war ich verwirrt. (Weiterlesen…)

18. Mai 2015

Neuer Colazzo Termin am 12. und 13. Juni in Frankfurt

by G. B.

IMG_0629

Die Brüder Alessandro und Giovanni Colazzo kommen am 12. und 13. Juni wieder nach Frankfurt, im Gepäck haben Sie die beim letzten Termin bestellen Anzüge, Jacken und Hosen zur Anprobe und das abschließende Feintuning. Unser Gastgeber Uwe Maier von Amtraq bietet den Gästen der Colazzos freundlicherweise einige ausgesuchte Einzelstücke im Rahmen eines Kollektionsverkaufs an.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit den Colazzos und ihren Kunden in Frankfurt. Termine für neue Colazzo-Kunden sind natürlich gerne machbar, allerdings nur noch eingeschränkt, bitte diesbzügliche Kontaktaufnahme an gb(at)slow-wear.de.

14. Mai 2015

Deutsche Medien und Herrenbekleidung – Verhüllungsjournalismus von Anfängern

by G. B.

 ef-skizze

 

Die Themen Stil, Bekleidung, Dandytum etc. geistern in schöner Regelmäßigkeit durch ansonsten durchaus ernstzunehmende deutsche Medien. Wir beobachten dies ja schon seit Weiland Werner Theurich beim Spiegel mit einer neuen Form getexteter Ahnungslosigkeit brillierte.

Nun haben wir aus Versehen im Manager Magazin (glücklicherweise für unschuldige Bäume nur in der Online-Version) die Einlassungen von Katharina Starlay gelesen. Unter dem Titel “Darf ich schicker sein als mein Chef” verbreitet die selbsternannte Mutter Theresa des Stils lesenswerte Plattitüden wie: “Erstens geht es um den Dresscode, die Statussymbole und die Insignien der Macht. Der Dresscode einer Firma ist tatsächlich Chefsache, weil er verbindlich festhält, wie sich ein Unternehmen gegenüber Kunden und der Welt präsentiert – und wo es sich positionieren möchte. Business oder Smart Business? Oder auch Business Casual? Den Ausschlag geben schließlich die Ansprechpartner, die es zu erreichen gilt, und die Preislage des Produktrahmens. Bodenständige Produkte verkaufen sich im schwarzen Anzug mit Manschetten-knöpfen nun mal suboptimal.

Mit dem gehobenen Dresscode der Chefetagen sind aber auch Details verbunden, die teuer wirken, weil sie früher auch teuer waren. Die erwähnten Manschettenknöpfe etwa, die mit Wappen und edlem Metall den Hauch des Elitären ausstrahlten. Heute sind sie (ohne Familienwappen) zu ganz anderen Preislagen und für jeden erschwinglich und werden damit eher zu einer Frage des Geschmacks”.

Business Smart, Smart Business Casual oder eher Stupid Business? Wer trägt außer Kellnern und Bestattungsunternehmern schwarze Anzüge bei der Arbeit? Manschettenknöpfe mit Familien-Wappen? Der beschriebene gehobene Dessscode wird im Beitrag durch einen Link auf die Bilder ausgewählter Dax-Vorstände “untermauert”. Allerdings sehen die Herren Blessing, Bock und Fitschen eher aus wie ordentlich angezogene Außendienstmitarbeiter der Signal-Iduna. Keine Spur von elitärem, gewagten oder auch nur handwerklich ordentlich Gemachten.

Ganz wichtig: Frau Starlay bietet auf Ihrer Website “Stilclub” auch einen Stil-Check per Foto für nur 49,00 Euro inkl. MwSt an.

Statt Einstecktuch, Weste, und Krawatte reichen vielleicht auch Krawatte und Tuch

Natürlich darf bei soviel geballtem Enthüllungsjournalismus der Wettbewerb nicht fehlen. Die Wirtschaftswoche kontert zum gleichen Thema mit dem Beitrag ” Wer hat im Büro beim Stil das Sagen?” Hier lesen wir über das tragische Schicksal von Frau Motsch: “Sie sitzen in Ihrem Büro – der Anzug vom Maßschneider, geschmackvolle Manschettenknöpfe, italienische Lederschuhe und Edelfüller – und dann kommt der neue Vorgesetzte herein: Schlabberjeans, T-Shirt und ausgelatschten Turnschuhen. Dass Führungskräfte oft sehr schlecht angezogen sind, erlebt Elisabeth Motsch, Trainerin für Image, Outfit und Umgangsformen, regelmäßig.”

Wer das für ein Einzelschicksal hält wird enttäuscht, das Wirtschaftsmagazin geht weiter in die Tiefe und hier wohnt der Kerberus der Herrenoberbekleidung, Bernhard “Bilderbuch in 19 Sprachen” Roetzel, der mit folgendem Bonmont glänzt. “Die Kunst besteht darin, dass der Vorgesetzte nicht merkt, dass sein Angestellter besser angezogen ist”, So dürfen Kostüm oder Anzug natürlich weiter vom Lieblingsschneider gefertigt, anstatt von der Stange gekauft sein. Nur etwas dezenter darf es dann gerne sein: Statt Einstecktuch, Weste, und Krawatte reichen vielleicht auch Krawatte und Tuch.”

Wir fassen zusammen: Einfach die Weste weglassen!

Der Dandy als Eintagsfliege

Den aktuellsten Tiefpunkt lotet die Welt mit “So lebt es sich als Dandy – für einen Tag” aus. Arne Siegmund verkleidet sich mit einem mediokren Anzug und spielt einige Anregungen aus dem Buch “111 Tipps und Regeln für den Mann von Welt” nach. Der Titel des Buches erinnert schmerzlich an die besten Focus-Rankings und sein Inhalt ist eine Art Straßenverkehrsordung für einen Mann, der nicht in der Lage ist, sein Leben ohne fremde Hilfe zu leben.

Über den Autor des Buches schreibt sein Verlag: Brand durchlief stilprägende Lehrjahre an den Universitäten von Wien, Edinburgh und Oxford. Nach einer weiteren Dekade in Hongkong, Frankfurt und Berlin führten ihn die dort angestellten Beobachtungen zu dem Schluss, dass ohnehin alles den Bach runtergeht. Aus Gründen der Selbstverteidigung erstand er daraufhin eine größere Anzahl Trachtenjanker und zog sich an den Bodensee zurück”.

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Was das Schickal der durch Berlin stolpernden Dandy-Ephemera-Vulgata Siegmund betrifft, stellt sich uns die Frage, ob sich der hier vergeudete redaktionelle Raum nicht hätte besser nutzen lassen. Damit verbinden wir den Wunsch, dass andere Medien dieses bewegende Thema nicht auch zur Grundlage einer dermaßen kompetenten Berichterstattung machen.

 

27. April 2015

Dicke Welle

by G. B.

quicksilver-true-wetsuits-7

Der Anzug ist als eleganter und funktionaler Begleiter jetzt auch in der Surf-Szene angekommen. Der Schnitt der truewetsuits von Quicksilver führt trotz des Neoprenmaterials zu einer besseren Paßform als sie mancher Stoff-Anzug bietet. Das passende Hemd ist ebenfalls im Programm und für den festlichen Wellenritt steht auch ein Smoking zur Verfügung.

 

26. April 2015

Grazie a tutti

by G. B.

Mail_Icon_clip_art_medium

Uns wurde aufgetragen, ein Dankeschön der Famile Colazzo  zu übermitteln. Dem kommen wir gerne nach:

Wir möchten uns sehr herzlich bei allen bedanken, die uns am vergangenen Freitag und Samstag besucht haben. Wir freuen uns über das Vertrauen, welches Sie unserer Familie entgegengebracht haben und werden alles dafür tun, dieses Vertrauen mit hervorragende Arbeit zu rechtfertigen. Wir freuen uns darauf, Sie bald wieder zu sehen. Ein besonderer Dank gilt Uwe Mayer, der für uns ein fantastischer Gastgeber war und dem Team von B74, das uns ebenfalls toll unterstützt hat.

 

Alessandro und Giovanni Colazzo

 

 

24. April 2015

Colazzo a Francoforte sul Meno

by G. B.

So, los geht’s. In der Berliner Str. 74, dürfen wir in den sehr schönen Räumen von Amtraq heute und morgen rund 30 interessierte Herren begrüßen. Vielen Dank an Uwe Maier für die tolle Gastfreundschaft.

17. April 2015

Ausblick: Sartoria Colazzo in Frankfurt

by G. B.

Hier noch ein paar Bilder aus der Sartoria Colazzo. Live zu sehen am 24. und 25. April in Frankfurt.

9. April 2015

FAQ – Sartoria Colazzo in Frankfurt

by G. B.

IMG-20150316-WA0021

Zu dem Termin mit der Sartoria Colazzo am 24. und 25. April wollen wir kurz auf ein paar Fragen eingehen.

Mögliche Termine:Zunächst einmal ist der Freitag ziemlich komplett, Termine am Samstag sind noch ein vereinzelt möglich.

Wegen der Preise gibt es offenbar Zweifel, ob es sich bei dem Angebot um Maßarbeit handelt. Einen Gelehrtenstreit, ob “Bespoke” oder “MTM”, überlassen wir gerne anderen. Fakt ist: Die Colazzos zählen seit vielen Jahren zu den besten Schneidern Italiens. Die Kunden werden vermessen und das Produkt entsteht auf der Grundlage dieser Maße. Es wird zwar einen zweiten Termin zur Anprobe geben, wir halten das aber für weniger bedeutsam. Wichtig ist uns, das jeder Kunde die Zeit hat, seine Wünsche zu besprechen, den Stoff auszuwählen und das mit seinen Maßen in Matarno per Hand nach genommenen Maß gearbeitet wird und nicht mit Schnittmustern.

Dieser Dialog mit dem Hersteller zählt und ist uns auch wichtiger als die Zahl der Anproben. Wir wissen, dass diese Arbeit normalerweise ein Vielfaches kostet, aber wir sagen noch mal: hier ist alles rasiermesserscharf und ohne Handelsmarge kalkuliert. Es gibt im Frankfurter Raum, was die Arbeit der Sartoria Colazzo angeht, eine historische Referenz, da kostete der Anzug dann knapp 4.000 Euro. Dafür aber wurde dann über einen sogenannten Top-Herrenausstatter ausgeliefert. Wir meinen: Wie es Euch gefällt.

Die Preise sind auch keine Lockvogelangebote: Die genannten Preise für die beschriebenen Produkte bleiben. Es gibt beim Stoff natürlich weitere Kategorien, das wird dann je nach Auswahl kalkuliert und vor der Bestellung klar kommuniziert. Wer etwas bestellt, zahlt den Colazzos 50% des vereinbarten Endpreises an, entweder bar vor Ort, oder innerhalb einer Woche per Überweisung. Der Rest wird nach dem 2. Termin und Rechnungsstellung überwiesen oder vor Ort an die Colazzos bezahlt. Alle Aufträge werden auf deutsch und vor Ort in Frankfurt schriftlich und verbindlich fixiert. Eine Dolmetscherin steht an beiden Tagen zur Verfügung.

Wir waren sehr überrascht und auch inspiriert von den Anfragen, eigene Stoffe der Kunden zu verarbeiten. Dies ist sicher für Folgebestellungen möglich, wenn man sich besser kennt. Wir denken aber auch darüber nach, bei entsprechendem Interesse ein Projekt zu starten, bei dem wir seltene oder besondere Stoffe kaufen, mit denen die Colazzos dann arbeiten.

Anmeldungen sind erwünscht – wer Freunde oder Kollegen mitbringen möchte, teilt uns das freundlicherweise ebenfalls mit. Wir mögen es lebhaft, aber nicht chaotisch.

 

6. April 2015

Last Exit Fachhandel – Der betreute Kunde

by G. B.

von Jürgen Wolf

pbh

Kuratieren ist mein neues Lieblingswort! Aber was heißt das eigentlich? Der Duden hat sich lange um dieses Wort gar nicht gekümmert und nur den Kurator genannt. Zugrunde liegt das lateinische Wort “curare”, was so viel bedeutet wie: „sorgen für, sich kümmern um“. Der Begriff des Kuratierens expandiert jetzt munter vom Metier der Museumsleute in alle Lebensbereiche. Der Textilbranche ist es eher über das englische „curated shopping“ zugeflogen. Betreutes Einkaufen wäre wohl die korrekte Übersetzung ins Deutsche, aber das hört sich etwas zu sehr nach betreutem Wohnen an. Modomoto und Outfittery haben es ins Land gebracht und Zalandos Projekt Z wird es noch in den letzten Winkel desselben drücken.

Fashion is dead

Wir sind an einen Punkt gekommen, an dem anerkannte Trendforscher behaupten die Mode sei tot und die Branche, verrückt genug, mag solche Kommentare auch noch und distribuiert sie widerspruchslos. Aber sollte man sich nicht mal fragen, wenn man es offensichtlich schon anerkennt, warum die Mode denn eigentlich tot sein soll?

Ich hole aus und strapaziere das Beispiel Apple. Wie viele Kollektionen gibt es von dieser Marke im Jahr? Ok. Ok. Ich weiß, Technik ist nicht Mode! Aber trotzdem, man stelle sich vor Apple würde nicht 2 und nicht 4, sondern 12 Kollektionen im Jahr in den Markt pumpen. Wie lange würde der Ideenvorrat halten, bis er komplett aufgebraucht ist und ab wann würden die Apple Kreativen den Großteil ihrer Zeit vor dem Bildschirm sitzen und im Netz nach neuen Ideen suchen, aus der sie dann eine neue Kollektion zusammenbauen? Und wie lange würde es wohl dauern, bis sie alles verspielt hätten, was zur Identität von Apple beiträgt?

Das Beispiel hinkt, aber es verdeutlicht was die Fashion getötet hat. Von allem zu viel. Von allem zu viel des Gleichen. Bei einem Geschwindigkeitszuwachs von 2 auf 12 Kollektionen im Jahr wächst die modische Entwicklung und damit die Wiederkehr von einfach zu verstehenden Trends wie z.B. Maxi, Midi und Mini oder die 70er/80er/90er, um den Faktor 6. Ergebnis: die Mode hat sich selbst überholt. Das ist bislang noch keiner anderen Branche gelungen. Glückwunsch!

Irgendwann ist die Aufmerksamkeitsspanne des Endverbrauchers maßlos überdehnt und er wendet sich von der Mode ab. Für den durchschnittlichen Menschen ist nicht mehr zu erkennen was IN oder OUT ist. In/Out Listen sind ja selber auch schon an ihrem Erkenntnisende angelangt, weil sie sich der Geschwindigkeit in der Mode anpassen müssen und stehen deshalb unisono vor ihrem beraterischen Ende.

Zalando ist die Offenbarung für den obsessiven Shopper. Die temporäre Möglichkeit sich übers Jahr hunderte von Schuhen ins heimische Regal zu verfrachten. Wenn auch nur auf Pump. Zurückschicken ist immer möglich und der Aufenthalt des Objektes der Begierde im eigenen Schuhschrank bedeutet eine, wenn auch nur kurze, Befriedigung der Kaufsucht. Und die, das wissen wir alle, ist bei Frauen in ihrer DNS hinterlegt.

Aber auch hier gilt: alles ist endlich und nichts nutzt sich schneller ab als Gefühle. Das Neue stimuliert. Immer wieder. Bis es nervt! Das kommt meist abrupt und überraschend für den Akteur. Was darauf folgt, ist eine Veränderung und oft in einem solchen Maße, dass man von einer gesellschaftlichen Veränderung sprechen kann. Rauchen, Sport, Bio, Shades of grey. Trends kommen und gehen und manchmal sind sie weit mehr als ein Trend. Sie sind das Ergebnis einer Entwicklung. Ein Ping Pong von Ereignissen, die sich gegenseitig beeinflussen und von daher nicht immer einfach vorauszusehen sind. Weder die Wucht, noch der Zeitpunkt, an dem sie aufschlagen. Wenn sie es denn überhaupt tun. Es mag ja auch einfach an uns vorüber ziehen. Zumindest war das einmal so. Man rannte nicht jeder Idee hinterher. Heute braucht man aber jede Idee und wenn sie noch so kurzlebig ist. Hauptsache wieder eine neue Monatskollektion in die Läden geschoben.

Wo ist der Modefachhandel? 

Kuratieren im Online Shop ist das Ergebnis der nicht mehr zu beherrschenden Flut von Artikeln, in der sich Kunde verliert und desorientiert aussteigt. Aller Sortierkriterien zum Trotz, die es anzuklicken gilt. Wenn die Mode nicht mehr zu beherrschen ist, hangelt sich der Kunde erst mal am Preis entlang. Sommer- und Winterschlussverkauf waren gesetzte Termine, wie Weihnachten und Ostern. Auch vorbei! Dauersale. Wieder ein Parameter der Orientierung abhanden gekommen. (Weiterlesen…)

3. April 2015

Nur für kleine Sünden

by G. B.

IMG_2741

San Cataldo, Palermo

 

RSS Feed Technorati