30. Oktober 2014

John & Phips – Piqué-Hemden “Made in Germany”

by G. B.

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Wir sind im unermüdlichem Bestreben stets neue und interessante Hersteller zu präsentieren auf das Hamburger Start-Up John & Phips gestoßen. Die beiden Gründer Peter „John“ Kröger und Rene „Phips“ Vassilliere haben sich zum Start ihres Unternehmens auf die Herstellung von hochwertigen Langarm-Piqué-Hemden konzentriert. Derzeit sind die ausschließlich in Deutschland produzierten Hemden in drei Farben (blau, weiß, hellblau) ausschließlich im Onlineshop von John & Phips zum sehr fairen Preis von 119 Euro erhältlich.

Wie immer haben wir einen Testkauf vorgenommen und sind sowohl von der logistischen Seite als auch von Paßform und Verarbeitungsqualität des Hemdes schwer beeindruckt. Grund genug, den Jungunternehmern ein paar Fragen zu stellen:

SW: Die Gründerszene in der Textilbranche ist gerade bei den Herstellern sehr überschaubar, was hat Sie motiviert, mit Ihrem Unternehmen in der Branche zu starten?

Die Motivation war das Fehlen der Produkte am Markt, die wir selbst gern tragen. Zu viele Logos, zu viel Ablenkung, zu wenig Konzentration auf das Wesentliche. Und wenn es etwas gab, das uns gefiel, dann ist es nach einer Saison meist wieder weg oder schlichtweg zu teuer, um ein wirkliches Standardstück zu sein. Wir wollen gute Qualität zu bezahlbaren Preisen.

 SW: Wie sind sie auf Stoffhersteller und Schneider gekommen?

Es gibt trotz immenser Abwanderungen in Deutschland immer noch eine Reihe kleinerer und mittlerer Textil-Betriebe, auf einige Zentren verteilt. Die haben wir recherchiert und uns dann auf eine kleine Deutschland-Reise begeben. Aber als wir bei unserem jetzigen Hersteller ankamen, stimmte vom ersten Eindruck an alles; da wussten wir: Hier sind wir richtig.

 SW: Warum gerade Piqué-Hemden?

Wir hatten nicht die Möglichkeiten, mit einer ganzen Kollektion an den Start zu gehen. So mussten wir uns beschränken. Das Piqué-Hemd schließt die formelle Lücke zwischen Poloshirt und Oberhemd und ist ein idealer Freizeit-Gegenstand, ist aber vergleichsweise selten zu finden. Daher erscheint es uns als idealer erster Artikel.

SW: Was ist im Wettbewerb die Benchmark für Sie und Ihre Produkte?

Wir sind nicht sicher, ob wir überhaupt wirklich in den Wettbewerb treten. Wir sind in erster Linie klein und anders. Klar, wenn man vergleichen will: Wir treten mit mal mehr, mal weniger bekannten italienischen Firmen in Konkurrenz. Was das Produkt selbst angeht, bewegen uns preislich aber eher in den Dimensionen der großen international bekannten Anbieter für Poloshirts und Hemden.

 SW: Sie fertigen bisher in drei klassischen Farben, planen Sie mit weiteren Farben, Formen und anderen Produkten?

Als nächste Schritte planen wir, die Farbpalette langsam, aber sicher zu erweitern. Außerdem arbeiten wir bereits an einer Kurzarm-Version des Hemdes.

 SW:Welche Vorteile bietet Ihr Angebot für Kunden?

Ein qualitativ hochwertiges Produkt aus lokaler Produktion, ein Hemd, das leicht zu kombinieren ist und ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

SW: Reden Sie über Zahlen, wenn ja, wie viele Hemden wollen Sie in den nächsten 12 Monaten verkaufen?

Wir haben ja das Glück, dass wir mit Herstellern zusammenarbeiten, die eine flexible Produktion gewährleisten können. Wir können also mit kleinen Chargen arbeiten, aber, wenn notwendig, die Produktion zeitnah anziehen lassen. Wenn wir im ersten Jahr tausend Hemden verkauft haben, dürfen wir uns jedenfalls auf die Schulter klopfen!

27. Oktober 2014

Tappolino – Mehr Boutonnièren braucht das Land

by G. B.

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Wir bekamen ein Blümchen (gehäkelt) per Post – der Absender ist Tappolino, ein kleines Unternehmen aus Hamburg, das die Boutonnière für „alle“ wieder gesellschaftstauglich machen und so mehr Farbe in den Alltag und an die Revers bringen möchte.

Die Erfinder der gut gemachten „Volks-Boutonnière“ bieten auf ihrer Website (www.tappolino.de) die Möglichkeit, eine persönliches Blume – mit Knopf oder Pin zu befestigen – nach Wahl zu konfigurieren und dabei aus acht verschiedenen Mustern sowie 45 verschiedenen Farben zu wählen. Der Preis von fünf Euro liegt nur wenig oberhalb der Kosten für einen Großstadt-Capuccino. Ziel ist es, das Kunden die personalisierte Boutonnière gleich in mehreren Ausführungen anschaffen und zu unterschiedlichen Gelegenheiten frei kombinieren.

Mittlerweile sorgen vier reifere Damen, die in Norddeutschland die Boutonnièren fertigen, für schnelle Lieferung „just in time“ zu jedem Anlaß.

20. Oktober 2014

Croots waxed cotton – ewig währt am längsten

by G. B.

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Wir waren zu Besuch bei Uwe Maier von Amtraq, der – mit einer hervorragenden Nase ausgestattet – immer wieder interessante Hersteller im Programm hat.

Über Gepäck von Croots haben wir schon berichtet, nun hat sich das Unternehmen eine Waxed Cotton Serie gegönnt. Die Taschen mit rotem Innenfutter sind aus 24 oz Waxed Canvas Cotton von Halley Stevenson gefertigt, mit Griffen und anderen Lederdetails aus unverwüstlichen English bridle leather versehen und werden mit extrem belastbaren Reißverschlüssen von RiRi aus der Schweiz geschlossen.

Kurzum: Von der Expedition in Nepal bis zur Zugfahrt von Rosenheim nach Frankfurt sind die Taschen von Croots ein ziemlich robuster Begleiter des eleganten Herren, der gerne auf ein Rollköfferchen verzichtet und gemeinsam wie auch würdevoll mit seinem Reisegepäck patiniert.

Die Taschen sind schon in den ersten Läden eingetroffen (u.a. Specimen style, Rapperswil/CH, B 74, Frankfurt, Harvest, Düsseldorf, Frans Boone, Sluis/NL). Die Preise liegen zwischen 299 bis 459 Euro.

12. Oktober 2014

Viola Milano – Online Mekka für Krawatten

by G. B.

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Unser Feldzug für die Zukunft der Krawatte soll nicht nur in theoretische Betrachtungen und Forderungen enden. Das Schicksal der männlichen Halszier wird wesentlich durch ein attraktives Angebot bestimmt – hier hat sich der Fachhandel leider kaum Mühe gegeben – Krawatten hängen hinten recht und mit ihnen der Verkauf.

Mit Viola Milano ist uns ein Online-Anbieter aufgefallen, der sich auf Accessoires – neben Krawatten auch Schirme, Armbänder und allerlei Anderes – spezialisiert hat. Wir konzentrieren uns auf das Thema Binder. Der Webshop bietet eine sehr große Auswahl an unterschiedlichsten Farben und Macharten. Hergestellt werden die Krawatten für Viola Milano in Süditalien, hier produzieren kundige Hände 3-, 6-, 7- und sogar 9-fold Krawatten. Die Rohstoffe kommen von englischen und italienischen Herstellern.

Die Präsentation im Netz gefällt uns, sie ist gut und detailliert gemacht, von Seide- über Strick- bis zu Cashmere-Krawatten erstreckt sich ein Angebot, das zu betrachten schon ein Stündchen in Anspruch nimmt. Jede Menge klassische Farben und Dekors machen Viola Milano zu einem echten Krawattenkaufhaus – ein Angebot, das realistisch betrachtet kein Einzelhändler vorhalten kann.

Wir haben uns eine Krawatte bestellt und werden zum Thema Lieferung und Qualität demnächst hier noch weitere Informationen liefern.

5. Oktober 2014

Krawatte museal

by G. B.

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Die Krawatte – Männer, Macht, Mode unter diesem Titel zeigt das Landesmuseum Zürich eine Ausstellung zur Geschichte der Krawatte. Nicht frei von den üblichen Binder-Klischees wird hier aber immerhin eine historische Einordnung des maskulinen Halsschmucks vorgenommen. Und getreu des alten Spruchs „Zukunft braucht Herkunft“ sind wir ebenfalls fest von der Renaissance der Krawatte überzeugt.

Der Pressetext des Museums beschreibt die Ausstellung wie folgt: “Die Krawatte verrät viel über ihren Träger, über seine soziale Stellung, seine ästhetischen Vorlieben oder seine politische Haltung. In den letzten Jahren hat die Männermode die Krawatte wiederentdeckt. Befreit von Konventionen und strengen Dresscodes trägt auch die jüngere Generation mit Nonchalance und Unbeschwertheit zunehmend Krawatte. Diese neu gewonnene Aktualität bildet den Anlass der Ausstellung, die das Accessoire in all seinen Facetten und in verschiedenen Medien in Szene setzt.

Das Spektrum der Ausstellung reicht von der historischen Entwicklung der Krawatte seit dem 17. Jahrhundert über ihre Rolle in der Garderobe der Frau und in der Rockmusik bis hin zur Krawatte in der bildenden Kunst und Literatur. Eine zentrale Stellung nehmen die bedeutenden Textilarchive des Schweizerischen Nationalmuseums ein, die die wichtigsten Krawattenstoffproduzenten der Region Zürich umfassen, darunter Weisbrod-Zürrer, Robt. Schwarzenbach & Co., Gessner und Stehli Seiden. Darüber hinaus sind Exponate internationaler Leihgeber zu sehen, etwa seltene Krawatten aus der Rosenborg Collection in Dänemark und dem Victoria and Albert Museum in London, Krawattennadeln aus dem Musée des Arts décoratifs in Paris oder Kunstwerke aus dem Museum of Modern Art in New York.“

 

Noch bis zum 18. Januar 2015

23. September 2014

Wider den offen Kragen – Mehr Krawatte wagen

by G. B.

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Die schier endlosen Debatten um die Zukunft der Krawatte eint eines: Sie ist im Wesentlichen langweilig. Gebetsmühlenartig wird ein Leben ohne Krawatte als Sieg über Uniformität, Zwänge, Normen und Konventionen beschrieben. Phantomschmerzen wie Druck- und Würgegefühle durch das Tragen einer Krawatte sind ebenfalls Teil einer in diesen Tagen typischen deutschen Bequemlichkeitsdebatte. Was ist: Heerscharen von Anzugträgen irren mit offenen Hemdkragen durch deutsche Innenstädte und sehen aus wie Genossen des iranischen Revolutionsrates – der imaginierte Sieg über die vermeintliche Uniformität der Krawatte führt geradezu zu einer Uniformität der blässlichen Langeweile.

Die Krawatte ist schon lange kein Teil der Uniform mehr, sondern ein – wenn richtig in Gebrauch – hervorragendes Stilmittel um auch „formalen“ Kleidungsstücken Individualität und Eleganz zu vereinen. Dumm nur, dass es an Vorbildern für den richtigen Einsatz der Krawatte mangelt, Fernsehansager, Sportkommentatoren oder Günther Jauch sind leider Protagonisten des schlechtesten aller Geschmäcker – Jauchs textile Statements erinnern uns stets an die biedere Bürgerlichkeit eines Erich Honecker.

Normierte Bankangestellte in grauen Anzügen, weißen Hemden und mit schwarzen Schuhen könnten mit einer eleganten Krawatte selbst dieses fade Dressing verbessern – allein sie gehen oben ohne und sehen aus wie städtische Busfahrer nach Feierabend. Dabei ist die Krawatte nicht nur ein schönes Accessoire, das – eine entsprechende Freiheit im Kopf vorausgesetzt – mit Leichtigkeit getragen werden kann, nein, sie ist auch gewobener Gesprächsstoff. Von neidischen bis hohlen Kommentaren der Kollegen abgesehen, ist sie für viele Frauen ein guter Einstieg in einen freundlichen Dialog im Zug an der Bar oder im Job. Ohne Krawatte quasi sprachlos bleibt dem unbeschlipsten hier nur Elitepartner.

Ein erwachsener Mann sollte wissen, wann eine Krawatte geboten und wann sie sinnvoll oder auch nur schön sein kann. Auf dem Gartenfest des Bundespräsidenten ist sie ein Zeichen von Respekt vor dem Anlaß, auf dem Gartenfest von Mutti ist sie unnötig. Ein guter Anzug (zumal ein dreiteiliger) sollte nicht ohne Krawatte getragen werden, den wo der formale Anzug passend ist, sollte eine Halszier auch nicht fehlen. Merke: Casual Friday ist eine Erfindung der Funktionsbekleidungs-Industrie und dieser Feind muss überall bekämpft werden, wo er uns aus seinen Membranen anmüffelt.

Dies Normierungsschmiede (vormals Krawatten- jetzt Modeinstitut) für Deutsche Mode hatte über Jahrzehnte einen „Krawattenmann“ gewählt. Die Liste der Preisträger hat mit Borussia Dortmund zum Tiefflug angesetzt und vollzog die Bruchlandung der Eleganz mit Herrn Kerkeling und Jan Delay. Der Preis ist in diesem Jahr nicht mehr verteilt worden. Zeichnet sich damit das „aus“ für die Krawatte, oder die textilen Verwaltungsfachkräfte ab?

Liste der Preisträger
1965: Hans-Joachim Kulenkampff
1966: Willi Daume
1967: Willy Brandt
1968: Bernhard Grzimek
1969: Walter Scheel
1970: Helmut Schön
1971: Peter Wyngarde
1972: Roy Black
1973: Kurt Biedenkopf
1974: Dieter Kürten
1975: Robert A. Lutz
1976: Alwin Schockemöhle
1977: Walther Leisler Kiep
1979: Friedrich Wilhelm Christians
1980: Johannes Gross
1981: Hans Rosenthal
1983: Wilhelm Wieben
1984: Otto Wolff von Amerongen
1985: Richard Stücklen
1988: Claus Seibel
1990: Karl Otto Pöhl
1991: Günther Jauch
1997: Bodo H. Hauser
2000: Michel Friedman
2001: Guido Westerwelle
2002: Johannes B. Kerner
2003: Borussia Mönchengladbach
2004: Götz Alsmann
2005: Ulrich Wickert
2006: Christian Wulff
2007: Roger Cicero
2008: Henry Maske
2009: Eckart von Hirschhausen
2010: Claus Kleber
2011: Hape Kerkeling
2012: Jan Delay
2013: Tom Schilling

 

19. September 2014

Niedertrachten-Porno

by G. B.

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Mit dem Oktoberfest beginnen in München die Trachten-Festspiele für Zugereiste, bayerische Dandys und Traditionalisten. Der gefühlte Trachtenzwang setzt Besucher stark unter Zugzwang und so blühen die Billigdirndl und Vileda-Lederhosenläden, um die saisonale Trachtenseeligkeit auf bezahlbarem Niveau zu befriedigen. Wirklich lächerlich wird es allerdings, wenn bei Lodenfrey das Wiesn-Fieber ausbricht – die Belegschaft geht jetzt „zwangsvertrachtet“ und schon springen Seppl und Resi zwischen Designer-modellen und Trachtenabteilung hin und her.

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Besonders abstoßend auch die Versuche, Tracht in einen modisch-zeitgeistigen Look zu überführen – damit wird ja letztlich der Gedanke und die Identifikationsstiftung hinter dieser oft Jahrhunderte alten Tradition auf dem Altar des modischen Schnick-Schnacks geopfert. Wenn dies durch Billig-Grossisten oder dem Geisen seine Frau passiert, ist das unangenehm, aber zu verkraften. Wenn sich aber Traditionshäuser wie Lodenfrey oder Hersteller wie Meindl oder Angermaier – der sich mit den Machern von Dandy Diary ja eine mäßig gute Lederhosen-Kooperation gegönnt hat – nicht zu doof sind, Vintage/Moonwashed/Baggy/Lederhosen zu produzieren,  wird es makaber. Gerade der Herr Meindl, von dem der Satz stammt „Das Gewand soll nicht jodeln“, muss an dieser Stelle mit der Sämisch-Leder-Eselsmütze in die Ecke.

14. September 2014

Notdürftig zum Rabatt

by G. B.

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Wo sonst nur Granofink-Werbung über Urinalen prangt, geht ein Frankfurter Einzelhändler im “Skyline-Plaza”jetzt neue Wege. Advertising while you pee – und dazu noch eine Pinkel-Gratifikation  von fünf Euro auf den Einkauf bei Vorlage des Sanifair Bons. Hier schlagen die Herzen der Marketeers höher: Lokus-Marketing wird auch beim Herrenausstatter salonfähig. Wir haben zwar die erpinkelte Rabatt-Chance nicht genutzt, sind aber angesicht eines solchen Strahls an Kreativität gelb vor Neid.

1. September 2014

Everybodies Haarling?

by G. B.

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Mit dem Regisseur Cary Fukunaga, der anlässlich der Emmy Verleihung mit einer Flecht-Zopf-Frisur aufwartete, beginnt im Internet eine Debatte um Zopffrisuren bei Herren. Der Verfasser dieser Zeilen lebt seit geraumer Zeit getrennt von seinem Haupthaar und kann hier eine eher neutrale Position aufweisen. Trotzdem lassen uns die diversen Haarverpflanzungen im frisurauffälligen Profifußball aufhorchen. Die bange Frage: Müssen Männer eine Frisurenmode beachten?

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Im Showgeschäft und bei Rasenspielen ergibt sich offenbar neben der eigentlichen Tätigkeit auch immer ein sehr expressiver Selbstdarstellungszwang, der sich häufig in der Aufbereitung des Haupthaares kanalisiert. Die Miniplie Vokuhila oder auch das gesträhnte Haupthaar haben sich im Rückblick als eher albern und für dauerhafte Distinktion ungeeignet erwiesen. Der Zopf war mal eine Zeit das Markenzeichen von Kreativen (und unserer Jugendliebe in der 2. Klasse) ist aber mittlerweile im verklemmten Bio-Spießertum in der Mitte des Gesellschaft und darunter angekommen.

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Historisch gesehen ist der jetzt so gehypte geflochtene Zopf auch Teil der germanischen Geschichte, hier wurde aber weniger Wert auf Eleganz als auf Brandschatzen und Plündern gelegt, was die Frage nach dem Wert solcher Frisuren in der Gegenwart unbeantwortet lässt.

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Ist die Frisur als modisches Statement wichtig? Wir finden, auch hier kommt es auf die Passform an, denn das Haupthaar soll ja irgendwie zum Besitzer, seinem Kopf und seiner Lebenswirklichkeit passen – Alltagsflucht via Haarkleid kann es nicht geben, Exotik am Sklap wirkt eigentlich immer bemüht. Modefrisuren gehen einher mit Massenhysterie auf dem Friseurstuhl und vermitteln dann eben nicht die gewünschte Individualität bei der Kopf-Behaarung, sondern führen vielmehr zu einer kollektiven Einheitsbepelzung – gut erkennbar angesichts der angesagten Rauschebärtigkeit, die uns eine Vielzahl von kaum zu unterscheidenden Bartgesichtern beschert.

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Kurzum: Jeder soll nach und mit seiner Haarfaçon glücklich werden – aber bitte nicht dem Beispiel von Schauspielern, Regisseuren oder Fußballspielern folgen.

20. August 2014

Mobiles Sitzen ohne Plastik

by G. B.

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Nicht nur in der Herrenbekleidung, sondern auch in der Abteilung mobile Sitzgelegenheiten sind Verbrechen gegen den guten Geschmack die absolute Regel. Wenn es praktisch werden muss, dann macht sich scheinbar so gut wie niemand mehr Gedanken über Material und gutes Design mit Stil. Ein wackeres Ehepaar aus der Nähe von Rosenheim hat hier einen erwähnens- und lobenstwerten Kontrapunkt gesetzt, auf den wir am dieser Stelle einmal deutlich hinweisen möchten. Unter dem Namen Kampier werden mobile Sitzgelegenheiten angeboten, die ihr Vorbild in der sogenannten Campaign Furniture der britischen Kolonialzeit haben.

Nachdem das britische Kolonialreich zerfallen ist und auch sonst die englischen Bemühungen im Ausland eher so kurz ausfallen, dass nicht wirklich eine Sitzgelegenheit benötigt wird (siehe Weltmeisterschaft 2014), sind diese wunderbaren Entwürfe etwas in Vergessenheit geraten. Durch Kampier wurden sie nun wieder entdeckt und aufs Feinste interpretiert. Material und Verarbeitung sind schlichtweg stimmig. Getreu unserem Motto “Why suffer” haben wir zum Wohl unserer treuen Leser den Stuhl in einer sehr hochwertigen Ausführung für uns bauen lassen. Die Wahl fiel dabei auf die besonders schön gezeichnete Nackenhaut des Ochsen, die zudem sehr dick und bequem ist, gerade wenn sie von echten Fachleuten gegerbt wurde. Das Ergebnis unserer Auswahl ist bei Kampier für Euro 650 auf Vorbestellung zu haben, jeder Stuhl ist ein Unikat, da jede Nackenhaut unterschiedlich ausfällt. Der Stuhl ist in Sekunden auf- und wieder abgebaut, leicht zu transportieren und schlichtweg bequem. Ein Klassiker, der es verdient hat einen Platz im Olymp des Designs, im Wohnzimmer, Garten oder auf dem Campingplatz in Lignano einzunehmen.

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